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ſehr zu bezweiſeln, ob dieſe Gleichguͤltigkeit auch moraliſchen Werth habe. Wer ſich bis zum Etel geſaͤttigt hat, darf fich ſein ferneres Enebehren doch nicht zum Verdienſt anrechnen!
Wuͤrde man aber das Kind nicht am beſten zu kuͤnftigen Entbehren vorzubereiten, wenn man ſeiu Begehrungsvermoͤgen ſo oft als moͤglich mit Vorſatz reitzte, damit man ihm deſto mehr entziehen und verſagen konnte?— Allerdings! Vor⸗ ausgeſetzt, daß wir im Stande waͤren, die Rolle der Natur zu uͤbernehmen, und unſere willkuͤrliche Handlungsweiſe als ſtrenge Roehwendigkeit geltend zu machen. Dieß wuͤrden wir aber nur ſelten können; das oft geraͤuſchte Kind wuͤrde ſein Vertrauen verlieren und in uns nur ſeinen Deſpoten erblicken.
DDoch geſetzt auch, dieß waͤre nicht der Fall; geſetzt auch, wir koͤnnten alles ſo aulegen, daß wir unzoͤhlege Mal die Be⸗ gierde des Zoͤglings reitzten und nicht beſriedigten, ohne daß er auch nur im mindeſten unſer wilkuͤrliches Behandeln ver⸗ muthen ſollte: duͤrfen wir denn ſo handeln; dürfen wir ihm ſo eigenmaͤchtig Schmerz verurſachen und ſeine heitern jugend⸗ lichen Stunden truͤben?— Zwar unſere Abſicht iſt gur; wir
wollen ihn vorbereiten auf ein Leben, worin derjenige oft aum gluͤcklichſten iſt, welcher am beſten entbehren gelernt hat: koͤnnten aber unſere gewaͤhlten Mittel nichr andere nachtheilige Folgen baben; koͤnnte dadurch nicht bei ihm eine unrichtige An⸗ ſicht der Dinge veranlaßt werden; koͤnnten wir ihn nicht da⸗ durch muthlos und unthaͤtig machen? Mit einigem Selbſtver⸗ trauen und mit Hoffnungen ſoll doch der Juͤngling in die Welt treten und mit Zuverſicht das Gelingen ſeiner Unternehmun⸗ gen und Arbeiten erwarten; wird er aber dieſes, wenn er von den fruͤhſten Jahren an nur Taͤuſchung ſeiner Hoffnungen, nur Mißlingen ſeiner Plane har enen gelernt? Ein unſchaͤdlicher 82— 3 und


