Aufsatz 
Einige Gedanken über die Erziehung zur Sittlichkeit / von Ludwig Dieffenbach
Entstehung
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möglich in die Lage zu kommen, ohne Gruͤnde befehleu zu muſſen. Es iſt deswegen unverantwortlich, die Kinder ohne Noth dahin zu bringen, wo ſich ſo vieles finder, was ihre Sinnlichkeit reitzen kann, ohne daß ſie dieſelbe befriedigen durs ſen. Nein! man entferne ſie vielmehr von allen Gegenſtaͤnden die anlockend ſind, und welchen ſie ſich doch nicht naͤhern ſol⸗ jen; man zeige ihnen vorfaͤtzlich kein Vergnügen, deſſen Ge⸗ nuß ihnen niche verſtattet werden kann. Ein haͤßlicher Unfug

iſt es daher, daß ſo manche Eltern ihre Kinder zu den rau⸗

ſchenden Luſtpartien der Erwachſenen, auf Baͤlle, zu Gaſt⸗ maͤhlern und dergleichen ſchleppen. Hier wird ihre Sinnlich⸗ keir unauſhoͤrlich gereitzt, und wahrlich! nur ein unſinniger

Vater kann ihre Befriedigung geſtatten. Men toͤnnte mir einwenden: die Kinder werdeu aber

von dieſen Freuden hoͤren; ſie werden ſie doch einmal kennen lernen! Wohl wahr; aber iſt auch ſchon genug gewonuen

wenn nur einige Zeit gewonnen iſt. Die UIrtheilskrafe i

dann reifer geworden, und iſt dieſes, ſo iſt immer ſchon we⸗ niger Gefahr zu beſorgen. Verderblich finde ich daher die Ma⸗ rime derjenigen, welche behaupten, man muͤſſe die Kinder reche fruͤh mit allen Arten von erkuͤnſtelten Freuden bekannt machen,

damit ſie deſto eher gleichgüttig dagegen wuͤrden. Ob das letzte⸗

te wirklich durch die Befolgung dieſer Maxime geſcheben werde, iſt wohl noch ſehr in Zweifel zu ziehen. Wer von fruͤher Ju⸗ gend an mitr Leckerbiſſen genaͤhrt wurde, gewoͤhnt ſich wohl ſpaͤter nicht leicht an magre Koſt; und der, auf deſſen Phan⸗

raſie rauſchende Vergnugen ihren Einfinß bewieſen, wird niche

leicht Geſchmack finden an den einfachen Freuden des Lebens. Doch auch augenommen, daß eine fruͤhe Theilnahme an den Zerſtreuungen und Freuden auch wohl Ausſchweifungen der verfeinerten Welt Gleichzuͤltigkeit dagegen erzeugte; ſo iſt zech

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