Aufsatz 
Einige Gedanken über die Erziehung zur Sittlichkeit / von Ludwig Dieffenbach
Entstehung
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nmn billigte er den einen Tag, was er den andern radelte; drohre

er mit Strafen, die er im Alebertretungsfalle nicht anwenden konnte; mit einem Worte, haͤtte er ſich ſelbſt noch nicht zu einer ſtrengen Conſequenz im Handeln erhoben: ſo durfte er ſich das Amt eines Erziehers nicht anmaßen; denn er beduͤrfte dann ſelbſt noch der Erziehung. Nur durch Conſequenz im

Handeln kann der Erzieher es bewirken, daß der Zoͤgling aus Vertrauen gehorſam wird, und dieſes muß er nothwendig werden, weil ihm wegen Mangel an Einſicht manches noch als willkuͤrlicher Befehl erſcheinen muſi, was doch auf die vernünftigſten Gruͤnde ſich ſtuͤtzt. Durch das immer gleiche Betragen des Erziehers hat er ſich aber vor der Vernunft deſſelben bengen gelernt, und da, wo er die Gruͤnde nicht einſehen kann, da fuͤgt er ſich dennoch mit kindlichem Ber⸗ Lranen.(7e.

AUeebrigens iſt es einleuchtend, daß, ſo wie das Kind un Jahren und Verſtand zunimme, der Erzieher auch weniger befehlen wird. Nur Freiheit aus der Willuͤr entwickeln; nur die Selbſtbeherrſchung erleichtern; das nur will der weiſe Er⸗ zieher, der mehr in ſeinem Zoͤglinge erblickt, als eine kunfeige

Maſchine,

Bor alen Dingen muß er ſich aber huten ſo wenig, als B2 3 moͤglich 0) In dieſem Gehorſam, der aus dem Vertrauen hervorgeht, liegt auch der erſte Keim des religioͤſen Gefuͤhls, der ſich dereinſt um

ſo viel ſchoͤner entwickeln wird, je inniger das Vertrauen zu dem Erzieher war. An die Stelle des Vaters, der freilich vorzuglich der Erzieher ſeines Kindes ſein ſollte, tritt gleichſam die Gottheit; und der Menſch handelt dann mit der naͤmlichen Hingebung in Muͤckſicht dieſer, wie er als Kind in Ruͤckſicht ſeines Vaters han⸗ delte. Gluͤckliche Menſchen, deren Gefuͤhl von weiſen Eitern ge⸗ Peaeruurde; denn kein beſſeres Erbtheil konnten ſie euch hinter⸗ aſſenn 5

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