ſie getragen werden und— was kann man anders thun?— man teaͤgt ſie, bis ihre Augen ſich ſchloſſen. Nun lege man ſie; aber auch im Schlaſe fuͤhlen ſie bald, daß ſie nicht mehr in der angenehmen Bewegung ſind und ſogleich erwachen ſie wieder; ſie weinen und man eilt, zu wiederholen, was man vorher gethan hatte. So machen ſie ſchon fruͤh die Murter
oder ihre Waͤrterinnen zu ihren Sclaven.
Man ſage nicht: die Kinder ſind ja noch ſo klein; wie ſollte alſo jetzt ſchon auf die Bildung ibtes Charakters gewirkt
werden koͤnnen?— Mit den erſten Lebenstagen muß auch die.
Erziehung beginnen und ein Kind, das im erſten Jahre durch Weinen ſich die Gewaͤhrung ſeiner Wunſche zu ertrotzen wuß⸗ te, wird im zweiten Jahre nicht plötzlich umgeaͤndert ſein. Sein Willen hat vielmehr jetzt ſchon eine Richenng genommen und in ſeinem erwachenden Verſtande ruht ſchon dunkel der Gedanke, daß die Menſchen, die es umgeben, fuͤr die Befrie⸗ digung ſeiner Einfaͤlle Sorge tragen muͤßen.— enn auch daher die Erziehung in der Folge beſſer wird; ſo iſt es doch eine große Frage, ob nicht noch etwas von der fruͤhſten Rich⸗ tung der Seele uͤbrig bleibr. Ich weuigſtens bin feſt uͤberzengt, daß von den erſten Jugendeindruͤcken mehr abhaͤngt, als man gewoͤhnlich glauben will.
ESs hat Erzieher gegeben, welche dem Eigenſinne der Kinder das Wort rederen; weil ſie in demſelben die Keime ei⸗ ner kuͤnftigen Feſtigkeit des Charakters erblickten. In gewiſſer Hinſicht haben ſie die Wahrheit auf ihrer Seite; in ſo fern uberhaupt naͤmlich der freie Wille ſich aus der Willkuͤhr enr⸗ wickele, und das Kind nur aus Mangel an Verſtand das Willkuͤrliche mit Feſtigkeit ins Werk zu ſetzen ſucht. Dann ͤßt ſich freilich erwarten, daß es einſt bei reiferem Geiſte B˙ſͤͤͤͤ wohl
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