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denn es gehoͤrt dazu nicht nur eine genaue Kennrniß der menſch⸗ lichen Seele uͤberhaupt und der Seele des Kindes insbeſonde⸗ ere; ſondern auch eme Beruͤckſichtigung mannigfaltiger Ver⸗ baͤltniſſe, in welche der Zoͤgling gebracht werden kann. Um ſo vielmehr wuͤrde es Anmaßung ſein, in dieſen wenigen Blaͤt⸗ tern einen ſo wichtigen Gegenſtand erſchöpfend behandeln zu
wollen. Nur einige Gedanken daruͤber— das ſagt auch die
Juſſchrift— lollen hier zur Prüfung vorgelegt werden.
Zar Sittlichken, erziehen heißt wohl nichts anders, ale
dem Gemuͤthe des Zoͤglings eine ſolche Richtung geben, daß er mit dem freiſten Willen das Gute uͤbe. Hierin ſcheint nun ein Widerſpruch zu liegen; frei ſoll der Zoͤgling handeln, und dennoch ſoll ihm eine Richtung gegeben werden. Auch iſt es grade dieſer Widerſpruch, welcher in der Erziehungswiſſen⸗
ſchaft die ſonderbarſten Behauptungen erzeugte. Bald wollte
man, daß das Kind auf das engſte beſchraͤnke und ihm alles
angewöhnt werden ſollte; bald verlangte man fuͤr daſſelbe die vollkommenſte Freiheit: bald ſellte ihm ſchon fruͤh der Wille
gebrochen werden; bald wurde gefordert, daß man es nuf durch Gruͤnde zum Handeln beſtimmen ſolle.
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allein darin ſeinen Urſprung harte, daß man ſich vou der zur
Sittlichkeit nothwendigen Freiheit keinen richrigen Begriff mach⸗
te. Meiſtens ſetzte man an ihre Stelle die Willkuͤr; denn dieſe allein zelgt das Kind uͤberall, ſo lange es keine aͤußere Weſchraͤnkung empfinder. Aus dieſer Wiltur aber ſoll Freiheie des Willens hervorgehen, und wie der Erzieher dieß befördern kann— das iſt die eigentliche Aufgabe. 3
8 8 Die Beobachtung des Ganges, den die Stele deo Kindes
von
Man ſieht leicht, daß dieſes Enkgegenſetzen der Erereme.


