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nannt, in welcher Stellung er bis zu ſeiner im Herbſte 1856 erfolgten Verſetzung nach Fulda wirkte. Von der philoſophiſchen Facultät zu Marburg iſt ihm am 31. Mai 1844 auf ſeine Diſſertation: de functionibus symmetricis die Doctorwürde ertheilt worden.
26. Das Winterſemeſter wurde am 13. October im Prüfungsſaale mit Choralgeſang ſowie mit Gebet und Anrede des Directors, in welcher die Schüler insbeſondere zu treuer Befolgung der Schulgeſetze er⸗ mahnt wurden, in herkömmlicher Weiſe feierlich eröffnet. Zur Aufnahme waren 12 Schüler angemeldet und zwar 4 für die Unterprima, 1 für die Unterſecunda, 1 für die Untertertia, 2 für die Quarta, 1 für die OQuinta und 3 für die Sexta. Von dieſen traten, auf den Grund von Abgangszeugniſſen der Gymnaſien zu Marburg und Caſſel, ohne Prüfung 2 in die Unterprima, 1 in die Quarta; von den übrigen wurden, nach dem Ergebniſſe der mit ihnen vorgenommenen Prüfung, 2 in die Unterprima, 1 in die Obertertia, 1 in die Untertertia, 1 in die Quarta und 4 in die Sexta aufgenommen. Der Unterricht begann am
14. October.
27. Am 13. November wurde in der Gymnaſialkirche, unter Theilnahme der katholiſchen Lehrer und Schüler, das herkömmliche Trauer⸗Gedächtnißamt für die verſtorbenen Wohlthäter des Gymnaſiums, ins⸗ beſondere für die Stifter der Stipendien, gehalten. Bei dieſem feierlichen Gottesdienſte wurde außer den gewöhnlichen Geſängen von einer Anzahl ausgewählter Schüler ein von dem Geſanglehrer Henkel compo⸗ nirter vierſtimmiger Trauergeſang ausgeführt. 1
28. Am 22. Januar erlitt das Gymnaſium einen neuen ſchmerzlichen Verluſt durch den Tod des Unterſecundaners Georg Claus, welcher die Anſtalt ſeit Michaelis 1853 beſucht hatte und noch kurze Zeit vor dem genannten Tage, an welchem er in ſeinem elterlichen Hauſe zu Eichenzell im ein und zwanzig— ſten Lebensjahre dem Nervenfieber erlag, dem Unterrichte beigewohnt hatte. Der Beerdigung desſelben, welche am 25. Januar ſtattfand, wohnte eine Anzahl Schüler der beiden oberen Claſſen bei, welchen zu dieſem Zwecke Urlaub ertheilt worden war. Ein Seelenamt für den Verſtorbenen wurde am 30. Januar, unter Theilnahme der katholiſchen Lehrer und Schüler ſowie mehrerer Angehörigen desſelben, in der Gym⸗ naſialkirche gehalten. Er ruhe in Frieden! 1
29. Am 4. Februar wurde das Andenken an Hrabanus Maurus, den Begründer des deutſchen Schulweſens, in herkömmlicher Weiſe durch eine öffentliche Schulfeierlichkeit begangen. Bei derſelben hielt der Oberprimaner Franz Kramer einen lateiniſchen Vortrag:„De bellica laude et domesticis virtutibus P. Scipionis Aemiliani«; deutſche Vorträge hielten der Oberprimaner Rudolf Köhler und der Unter⸗ primaner Johann Ney und zwar jener:„Über die Charaktere in Schiller's Wilhelm Tell“, dieſer über das Thema:„Wodurch hat Philipp von Macedonien den Ruhm ſeines Sohnes vorbereitet?“ Gedichte wurden declamirt von den Sextanern Ferdinand Kampe und Auguſt Schneider, den Quintanern Johann Kircher und Joſeph Medler, den Quartanern Conſtantin Güth und Theodor Rübſam, dem Untertertianer Hermann Weis, den Obertertianern Hermann Uth und Wilhelm Trapp, den Oberſecundanern Eduard Auffarth und Heinrich Eckhardt. Die bei dieſer Schulfeierlichkeit von den beiden Sängerchören des Gymnaſiums vorgetragenen Geſänge(„Christe, sanctorum decus angelorum“, Festum nunc celebre magnaque gaudia“ und„Wol ſtand im goldnen Mainz die Wiege“) waren dieſelben, welche von dem Geſanglehrer Henkel für die im verfloſſenen Jahre von dem Gymnaſtum begangene tau⸗ ſendjährige Hrabanusfeier componirt worden waren.
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