Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Großh. Gymnasiums zu Gießen für die Dreijahrhundertfeier am 10. Oktober 1905 auf Grund von Mag. Franz Rambachs Sammlungen / bearb. und hrsg. von Ludwig Schädel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27 derer Eltern ohngeachtet man kein. ſoliden grund bei denenſelb. in humanioribus wahr⸗ genommen, in die obere Classen collocir. müßen, da es dann geheißen: Vitium primae concoctionis non corrigitur neque in secunda, neque in tertia.

5) Iſt die hieſiger Orthen faſt durchgängige ſehr plumpe Education und üble Aufſicht der Eltern zu Hauße dem Wachsthum der Schuliugend ſehr hinderlich, ſo daß die Praeceptores an Vielen, wo nicht den meiſten Schülern ihre eigene Schande arbeit. müßen.

(6) ieder ignorant lauft den praeceptoribus vor wodurch ſie veracht. werd.

(7) man befördert dieſe ehrliche leute nicht.

Wenn dieſem allen abgeholf. werd. ſolte, ſo wäre kein Zweifel, daß nehſt Gottes Hülfe incrementum Paedagogii dadurch befordert würde pp.

Dies iſt abgegang. circa A 1719 u. 20. unter Maio iun.

1723 war abermal das Pädagog verläſtert worden, daß in keiner Sprache was gelernt werde und keiner fähig ſei ein Capitul. in codice ebraeo recht zu ana⸗ lyſiren und zu interpretiren auch keine leges scholasticae da ſeyen daher ein neues Reſcript mit einer Weiſung erging u. ſonderlich auf letztere gedrungen wird. Man vertheidigte ſich aber gründlich. Auch 1735 hatten Sup. Rambach sen. und der Päda⸗ gogiarch Benner Vorſchläge getan, gewiſſermaßen Benners Amtsprogramm, die in einem Reſepript v. 4. Febr. 1735 vollſte Billigung finden.

Gegenüber dieſen zum Teil anonymen Anſchwärzungen erſchien offenbar im Anſchluß an den mehrerwähnten Deinaſtreit eine ſchneidige landgräfliche Verordnung im Druck v. 18. Mai 1769, welche zwar allen Beamten loyale Förderung jeder Be⸗ ſchwerde, wenn ſie mit dem Namen gedeckt iſt, ſtreng anempfiehlt, aber auch präzis beſtimmt,daß keine ohnunterſchriebene Memorialien in Klag⸗Sachen bei Unſern Collegiis weiters angenommen werden.

Rückblick.

Es iſt oben betont, daß die mit ſo anſehnlichem Apparat, eindringender Literaturkenntnis¹) und ehernem Fleiß unternommenen Arbeiten des ſel. Rambach keinen Abſchluß gefunden haben nach irgend einer Seite, ſondern überall wie im Fluß erſtarrt erſcheinen; verſchiedene von ihm weither gezogene Fäden, von deren Ausdehnung man erſt nach Mitteilung der geſammelten Perſonalien vollen Begriff erhielte, ſind nie zu einem Punkt vereinigt, ſondern da und dort wie am Wege liegen gelaſſen. Welche Motive ſein Unternehmen beſtimmt haben im allgemeinen zweifellos das Wohl und Anſehen der Anſtalt), für die er lebte iſt weniger dunkel, als welche ihr Ende ohne Schluß veranlaßten, und welche Zwecke den einzelnen literariſchen Aufgaben zugrunde lagen. Man kann manche doch vielleicht mit leiſer Vermutung berühren, wenn man die letzten bei den Akten befindlichen Rambachſchen Schriften ins Auge faßt. Er hatte das Gefühl, ja die Einſicht, daß unter dem greiſen Benner das Pädagog ins Stocken gekommen war und wußte ſich ſelbſt fähig, ihm neues Leben einzuflößen, und daß er größer ſei als ſeine beſcheidne Stellung als unterer

¹) Wovon die erſte Geſchichte der Univerſität(ſ. u.) Zeugnis gibt, eine zweite ausführlichere Redaktion von Rambachs Hand, die Dr. Geiſtfür die 1. und 2. Periode ausnützte, kann ſpäter erſchienen ſein.

²) in der Eingabe, worin er um die Akten aus Darmſtadt bittet, betont erdaß eine mehrere Aufnahme des paedagogii illustris ſich dadurch hoffen ließe.