28 Gymnaſiallehrer¹). Beſonders erſtrebte er eine Stellung an der Univerſität und wies dem Rektor Kortholt(vermutlich 1771) mit einer Sachkenntnis, welche die uns be⸗ kannten hiſtoriſchen Studien ſchon vorausſetzt, die Compatibilität einer außerordent⸗ lichen Profeſſur mit dem praeceptoratus classicus nach, auch wenn man nicht primarius ſei. Eine weitere suis auspiciüs an den Fürſten gerichtete Vorſtellung handelt von den„wahren Urſachen einiger Gebrechen des fürſtl. Pädagogs“ und wird den Verdienſten des alten Benner um die Schülerbibliothek doch nicht ganz gerecht, zeigt auch am Schluß etwas ſcharf hin auf den Abſtand, in dem der moderne allbeleſene Schulmann zu dem etwas altersmüden Pädagogiarchen ſich befindet. Von einer anderen Seite her ſuchte er in einer Abhandlung„Unvorgreifliche Gedanken wie die Anzahl der academiſchen Lehrer— vortheilhaft zu vermehren“ ſeine akademiſchen Ziele zu erreichen, indem er alle praeceptores classici als außerordentliche Profeſſoren mit Repetentenauftrag anzunehmen vorſchlägt. Alle dieſe Verſuche waren erfolglos, und darüber ſcheint er den Mut zu weiterem Streben, und vielleicht die Luſt zum Abſchluß derjenigen Nachforſchungen verloren zu haben, die ihm bei all ſeinen Vorſtößen wuchtige hiſtoriſche Beweiſe geboten hatten, wie ſie keinem andern ſo vollſtändig zu Gebote ſtanden. Reſigniert ließ er die Sachen liegen, wie ſie lagen. Die Geſchichte des alten Gießener Pädagogs bleibt aber in dem einen Namen Rambach beſchloſſen. Um dem ganzen Umfang ſeiner Beſtrebungen gerecht zu werden, ſoll auch die eine ſeiner Darſtellungen der Geſchichte der Univerſität, obwohl viel abhängiger von der gedruckten Literatur, als eine Gabe des alten Pädagogs an die Mutteranſtalt, die 1907 ihr Jubiläum feiert, unten folgen.
Es fand ſich kein zweiter Rambach mehr für die Gießener Anſtalt*); dennoch beſitzen wir ein noch unbenutztes Quellenwerk von erſter Verläßlichkeit für eine etwas ſpätere Epoche unſerer Schulgeſchichte. Es iſt das eigenhändige Folio, von dem wir einſtweilen unten ein Facſimile geben, welches Direktor Schaumann vom 24. 3. 1805 bis 13. 2. 1821 geführt hat, und das für ſpätere Gelegenheit zur Ausbeute bereit liegt. In ihm wird, was hier vorging, auch bildlich, geradezu unter die Lupe genommen und für das erſte Viertel des Jahrhunderts enthält es ſoviel wie die, wegen des ver⸗ fließenden Papiers zum Teil ähnlich unlesbaren 4 Copialbücher von Herm. Schiller für das letzte Viertel des abgelaufenen Jahrhunderts.
Beigabe 1.(zu S. 25 A. 2).
Die obige Irrung Rambachs weiß ich nicht zu erklären. Vom 2. Dezbr. 1667 gibt er ſelbſt eine derartige Bitte Mislers,„daß man ihm das Pädagogiarchat, das er nun ins ſechste Jahr verwaltet, abnehmen möchte. Zum erſten mal war es etwa 2 Jahr zuvor geſchehen, da er zwar Vertröſtung zur Dimission aber dieſe ſelbſt nicht erhalten, weil man ſonderbahre zu dieſem Amt bequeme qualitäten bei ihm fand. Diesmal ſolte die philoſophiſche facultät über ſein wiederholtes geſuch in der Furcht Gottes con⸗ ſultiren und ihn dahin zu diſponiren ſuchen, daß er daſſelbe Amt zum Vortheil der
¹) Er rückte 1773 zum Definitor auf lein nur hierher aus der Praxis der Jeſuitencollegien herübergenommener t. t.), und 1775 wurde er Conrektor am Frankfurter Gymnaſium, wo er in Kirche und Schule bedeutend wirkte.
²) Wohl aber ein J. J. L. Borck, der 1777 in ſeiner„hiſtoriſchen Anzeige ꝛc.“ einen dürftigen Extrakt aus dem von Rambach geſammelten— ohne deſſen Nennung— veröffentlicht hat.


