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daß er perfect ſchreib. declinir. und conjugir. könne dann 2) die gemeinſte praecepta grammatica verſtehe u. wiße. 3) einen anfang habe exercitia zu mach.“ Specialiter „wäre gut wenn man die Bücher woraus auswendig zu lernen z. E. die grammatic wieder drucken ließe und was zu memoriren mit andrer Schrift gedruckt würde.“ „Sonderlich auf den Sonnabend a 2 ad 3 vom Pädagogiarchen die tentamina singu- larum classium zu halten wie ausdrücklich die Statuten beſagen. Ferner iſt zu bedencken, weil man hier um 11 Uhr mahlzeit hält, zu Marburg aber zu 10 Uhr,— ob nicht der Geſundheit ſo wol als der Alacrität zu rathen, wenn Mittags von 1 bis 4 fre⸗ quentirt würde.“
Schon 1719/20, nach 40 Jahren, wird wieder über Rückgang der Anſtalt geklagt, was bei der nahen Kritik ſo vieler competenter Beurteiler an der Hochſchule begreiflich, und auch weniger verfänglich iſt. Hierauf bezieht ſich:
„Derer ſämptlichen Praeceptorum Classicorum beym Hochfürſtl. Paedagogio zu Gieſen gehorſamſt unterthänigſte Vorſtellung, woher der bisher angegebene Verfall bemeldt. Paedagogii komme, und wie etwa ihres wenig Erachtens demſelben ins künftige wiewohl ſonder Maaßgebung aufgeholf. werden könte.
1) Iſt die überall im gantzen lfehlt: Land] immer mehr und mehr einreißende ſehr groſe pauvreté eine Urſach, daß die meiſten Unterthanen tam infimae quam mediae sortis et conditionis ihre Kinder, welche ſie zu den Studiis gewidmet, nicht anhero ad Paeda- gogium ſchicken können, oder aber, ob gleich noch ziemliche Mittel bei einigen Vor⸗ handen aus einer Caprice und Stoltz nicht hinein gehen laßen wollen, ſondern lieber der elenden information einiger Praeceptorum domesticorum(welche mehrentheils iunge und inhabile Studenten ſind, denen noch ſelbſt eine gute und solide Anweiſung vonnöthen wäre) untergeben, wodurch denn die Anzahl der lernenden im Paedagogio verringert wird und folgſam auch durch ſothane ungeſchickte Anführer dem Publico dereinſt ein höchſt empfindlicher Schaden zuwachſet.
2) Sind die ſämtliche Trivial und land Schulen zu Alßfeld, Nidda, Schotten, Grünberg und Echzell, wo nicht völlig alle, doch ſchier die mehreſte gantz, ob Rectorum et Praeceptorum tam inscitiam quam desidiam in decadence gerathen. Aus welchen bemeldten Schulen ehemals, zufolge denen ergangen. Hochfürſtl. Reſcripten alle und iede Schüler, ehe und bevor ſolche ad lectiones publicas academicas admittirt werden dörfen, noch wenigſtens ein Jahr hieſiges hochfürſtl. Paedagogium frequentir. müßen. Welche löbliche Hochfürſtl. Verfügung aber von den Rectoribus und Praeceptoribus bemeldter Schulen aus großer ambition bishero aus den Aug. geſetzt worden, als welche ihre unzeitige Schüler, ohne ſich vorhero beym Paedagogiarch allhier zu melden, und in profectus discipulorum suorum inquirir. zu laſſen, nach eignem gefallen und iudicio dem Rectori Academiae praesentiren, und ſolche in album Studiosorum inscribir. laſſe.
3) hat der zeitige Diaconus und Adiunctus Metropolitanus zu Nidda M. Stumpf ſich ſeither 3 bis 4 Jahr auctoritate privata unterſtand., neb. ſeinem Predigt⸗amt, worinn. er doch ſonder Zweifel ſeine Arbeit ſattſam finden wird, ein quasi gymnasium illustre aufzuricht. und unterſchiedene Knaben ſo wol aus hieſigem Paedagogio, als von andern orthen an ſich zu ziehen.
4) Wann etwa noch dann und wann einige Knaben aus den landſchulen und ſonſt e privata et domestica alicuius informatione anhero ins Paedagogium geſchickt worden, hat man ſolche, ob staturam et aetatem auf pressantes bitten und anhalten


