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privatim ex cathedra gehalten da man denn pflegt zu corrigir. was ad elocutionem und gestum cor- poris gehörig iſt. Die Discipuli reliqui auscultiren. Unter dieſen aber fordert der Rector von den obern repetitionem dispositionis habitae orationis und von iedem andren wenigſtens eine obseruirte Phrasin. Uberdes werd. auch singulis mensibus etliche orationes publice gehalten. Bei den lateiniſch., auctoribus wird zuweilen ein caput ex Erasmi copia explicirt und repetirt, dann, iede Lection wenn es die Zeit verſtattet grammatice, oratorie und logice resoluirt. Die Rhetorica wird alle halbe Jahr in einigen Stund. ex professo erklärt.
Das griechiſche Teſtament wird tractirt 1) explicando 2) themata difficiliora apud superiores elaborantur 3) phrases a Rectore dictantur 4) Dialecti occurrentes werden ex Wysii Dialectologia, libro utilissimo et doctissimo colligirt 5) Lutheri versio cum textu graeco confertur. Dabei müß. alle Knab. die themata ex Pasoris Syllabo lernen. Poesis graeca wird geübt und dazu gebraucht esiodus, beneben Coelemanni opere prosodico, ſo nach des Schmetii methodo verfertigt iſt, et losephi Langii epitome Prosodiae graecae bei Golii grammatica angedruckt. Die grammatica graeca wird gantz erklärt, und in syntaxi allzeit auf gramm. latinam gewieſen ¹). Ein autor Classicus graecus wird aus Mangel der Stund noch desiderirt. Plutarchus de librorum institutione wäre darzu vorzüglich nützlich. Die Coniugationes werd. nach einer edirt. tabelle des Rectors tractirt. In tertia müß. die Schüler griechiſch ſchreiben lern.
Beim Dieterico werd. die dicta Classica ex puro graeco recitirt u. Lutheri version ſo gleich verglich. Die Notae Dieterici werd. publice geleſ. u. ſo was notables vorkomt vom Rectore notirt, von den Schülern aber in ein ſonderlich librum catecheticum annotirt. Aus dem Psalterio werd. die textus auch graece allegirt. Sind subiecta vorhand. die privatissime hebräiſch gelernt, läßt man ſie hebräiſch, mediante versione ad marginem, explicir.(Hebräiſche Bibeln war. damals rar u. theuer; Ja es ſcheint, daß das hebräiſche zu Darmſtadt gar nicht mode geweſen, weil dieſer Sprache weiter nicht gedacht wird. Ramb.)
Man mache ein. selectum discipulorum in allen Classen. aber wie?
Damit alles beſſer in acht genommen werde, müſſen ſich die Schüler büchlein[die„Merk⸗ hefte“ der Neuzeit!] machen worin ſie alle memorabilia notiren als 1) librum Logicum 2) catecheticum 3) biblicum zu den precibus 4) grammaticum lat. 5) miscellaneorum graecorum 6) colloquiorum 7) Idmen l?idem]. 8) Virgilii et Rhetoricorum. Woher aber ſo viel Papier in der Wüſten?
Wenn eine Wochenpredigt iſt, wird doch Sommers vor der Kirche eine Stunde a 6 ad 7 und winters a 7 ad 8, und eine nach der predigt ab 8 ad 9 oder a 9 ad 10 gehalt. In ſestis Apostolorum wird nachmittag eine Stunde gehalt. und das Evangelium graece latine und germanice explicirt davor denn auch die beſoldung ſo viel beſſer als die hieſige.
. Quoad exercitia verhalt ſichs wie hier. Es ſind 5. Nur muß der Rector alle Monat einmal, Mittwochs mittags, alle exercitia in ſein. Hauß durchſeh. u. was zu notir. den ander. Tag bekannt mach. Man hält auch vor ſehr nützlich, daß man zuweil. eine materiam latinam germanice vertir. u. die phrases daraus excerpir. laßt, zumal weil die Schüler die teutſche Sprache ſo vitiös ſchreib.
Quoad disciplinam verweiſt man auf die leges.
Uiber dieſes darmſtatter ohnmasgebliche Bedenck. wurde nun auf hochfürſtl. befehl von allen Professoribus Doc. phil. votirt.“ 3
Rambach hat hier, als ſachverwandt, D. Rudrauffs Vorſchläge aus 1677/8, ſodann ſolche des Lehrerkollegs vom 21. Jan. 1735 beigefügt. Auch die Vota der Profeſſoren Weiß, Hanneken, des Mediz. Strauß und des Mathem. Nitzſch ſind erhalten ²).
Aus dem Rudrauffſchen Gutachten ſei aber hervorgehoben: methodus et ordo docendi: generalis lex esto: wenig recitirt, viel explicirt, examinirt und ad usum
gebracht.“„Ehe iemand ins Paedagogium ad IV ³) eingenomen werde, wird erfordert,
²) Von Ratkes Zeit an ein Charisma des Gießener Pädagogs!
²) Leider ſind ſie ohne Datum, können aber aus den Profeſſorennamen datiert werden. In Rambachs Zuſammenſtellung waltet hier eine irreführende Anordnung, indem er die Vota von 1677 zu den Verhandlungen von 1655 bezieht.
*) Die vierte Klaſſe hat ſich nicht lang gehalten.


