Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Großh. Gymnasiums zu Gießen für die Dreijahrhundertfeier am 10. Oktober 1905 auf Grund von Mag. Franz Rambachs Sammlungen / bearb. und hrsg. von Ludwig Schädel
Entstehung
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introducir. wäre. Wegen der Poematum latinorum bemerckt man, daß die Knaben in recitatione Virgilii ſehr gemartert werden und daher es beſſer wäre, ſo man den Virgilius Christianus wodurch historia biblica imprimirt würde introducirte, oder daß doch ſolcher Virgilius modo poetico und durch rechtſchaffene Explicationem rerum poëticarum tractirt und denen Knaben, auch worin das artificium beſtünde gewießen würde. Der Logic wegen iſt auch eine große Ungleichheit, maßen denn etliche Logicam Ebelii, etliche logicam Dieterici dociren daher eine Confuſion bei der Jugend entſtehet, wäre alſo zuträglicher, daß eine logica und zwar die leichteſte, wie denn des Dieterici bisher dafür gehalt., auch mit größerem Nuzen docirt worden, durchs gantze land von den praeceptoribus docirt, auch die canones durch exempla illustrirt als auswendig zu lernen obtrudirt würden.

So wäre gleichergeſtalt beſſer, daß die rhetorica iuxta praxin docirt würde als daß die Jugend mit auswendig lernen vergeblich macerirt werde und dann iſt nothwendig anzuordnen, daß der Paedagogiarcha die Praeceptores in ihr. Stund. fleißig visitire und genau wahrnehme, ob und wie ſie die Knaben informir. als woran viel gelegen damit aber dieſes alles zu erwünſchtem eflfect möge gebracht werden, hielten wir vor gut, daß eine durchgehende gleichheit in allen Schulen auf dem land gehalt. werde mit hieſigem Paedagogio, damit ſo wieder vom land in hieſiges Paedagog geſchickt werden, ſolche ſchon ein. ziemlich. progress hätten, auch nicht erſt genothiget werd. müßen, ſich einem neuern modo docendi zu unterwerfen, geſtalt man bisher verſpüret, daß etliche derienig. ſo anderswo eximirt, ſich nicht allerdings in das worauf ſie befragt word., finden könn.

Solches hab. Ew. fürſtl. Gnad wir unterthanigſt nicht verhalt ſollen. Unſers Orts darneben, doch ohnmaßgeblich, für gut achtend, wann nach gnädiger genehmhaltung dieſer oder andrer Puncten Ew. fürſtl. Gnad. gnädig genehmig. wolt, hieraus an die philoſophiſche Fakultät, als ordinarios in- spectores Paedagogii, und ſo ſonſt iemand etwa noch darzu nöthig befund. würde, gnädige Com- mission zu ertheilen. Damit alſo dieſes alles Gott zu ehren und der lieb. Jugend zum beſten, werck⸗ ſtändig gemacht werde

Iſt unterſchrieb.: Juſtus Fewerborn D. D. Schütz. I. N. Misler. Gregor. Tülsner D. lur. Martin. Müller. D. lur. Joh. Conrad Dietrich. Georg Balth. Metzger D. David Chriſtiani D.

Hierauf wurde zu Darmſtatt ein bericht von erbaulicher beſtellung eines Paedagogii oder gymnaſii wie dieſelbe beim Paed. zu Darmſtatt üblich, aufgeſetzt und mit einem ſich darauf beziehend. decreto principis hierher geſchickt mit dem befehl daß die gantze univerſität ſich abermal zuſamm. ſetz. u. beſagt. bericht mit fleiß vorleſen und alles was dabei zu erinn. notir. ſolte auch endlich daraus ein. neuen vor hieſiges Paed. bequem. u. ſchicklich bericht abſtatt. ſolte. unter dem 28 Jan. 1656.

Dieſer Darmſtätter bericht, den ohne Zweifel der Rector des dortig. Pädagogs aufgeſetzt, iſt dem erſt., von Gießen, in dem hauptſtück. gantz conform. Nachdemſelb. ſoll geſeh. werd. 1) ad implantandam pietatem 2) ad ipsas lectiones recte tractandas 3) ad exercitia scribenda 4) ad disciplinam.

In anſehung des erſt. Puncts billigt man gantz den Gieſer bericht, auch in anſehung der deduction, wobei noch angefügt wird, daß auch zu Darmſtadt dieſelbe praceunte Praec. Cllassicol und sequente Rectore geſchehe, ob gleich die dortig. leges hierin. nichts, wie zu Gieſen verfügt.

Bei dem 2ten Punkt wird eine conforme Methode auch gebilligt aber dabei prospicirt daß man ſich nicht erkühn. ſoll, das Darmſtätter Pädagog nach dem hieſig. deshalb zu reformiren, weil ienes keine Schüler in das Gissense transferirt, auch demſelben nicht unterworfen, ſondern wenigſtens in pari gradu und privilegiis mit demſelb. ſtehe, gleichwie der Rector hactenus die privi- legia eines Paedagogiarchae Giss. habe. Die Conformität wird daher bloß mit der Akademie geſucht. Über die einzuführende Logic wird heftig geſtritt. und durch 9 argumenta erwieſen, daß Ebels Logic vorzuziehen die grammatic ſoll ob fragilitatem memoriae die Woche 2mal auch in superiori Classe tractirt, aber mehr erklärt, als auswendig gelernt werden. Virgilius Christianus wird gantz verworfen und der autor Classicus als hochſt nöthig und nützlich recommandirt aber auch recht zu tractirn vorgeſchlag. Colloquia Heluici weil ſie in quotidiano loquendi usu ſehr nützlich, ſoll. auch in prima einmal wöchentlich recitirt werd. und die andre Stunde Justinus, ob facilitatem; Curtius aber könte privatissime auf Verlangen erklärt werd. Die geſchriebene Chria wird billig abgeſchaft und davor Laurenbergii Euphradia als ein nützliches Compendium cratoriae ein- geführt. Weil aber Oratoria in praxi ihr. Nutz. ſucht werd. wöchentlich 3 oder 4 oder mehr orationes, nachdem ſie succincte oder prolixe elaborirt ſind in den Stund. darinn. Rector oratoriam docirt,