Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Großh. Gymnasiums zu Gießen für die Dreijahrhundertfeier am 10. Oktober 1905 auf Grund von Mag. Franz Rambachs Sammlungen / bearb. und hrsg. von Ludwig Schädel
Entstehung
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6. M. Frech auch von der Stadtſchule 3) M. Orth bei dem es noch zweifelhaft ob er Mislero weich. u. prim. loc. geb. werde. An der Stadtſchule iſt die eine Stelle wieder mit Joh. Schwemler beſetzt worden. Das Paedagogium ſollte 8 Tage eher als die Univ. inſtaurirt werd. Es iſt aber doch die Univerſ. d. 5* May und das Paed. d. 10 May 1650 reſtaurirt word.

Endlich iſt weg. der Praec. Cl. Beſoldung die Sach ſo eingerichtet word.

Primus 100 fl. 5 Malter Korn 1 Malter 4 Maß Hafer 2 Malter 8 Maß Gerſt. 1 Wagen Heu 1 ½ Klaft. Holz 1 Schweinemaſt ½¼ Morg. Krautgart.

Secundus ebenſo in allem.

Tertius 90 fl. geld ſonſt ebenſo, nur kein Heu, keine Maſt und kein Sterbvirtel.

Quartus 75 fl. geld ſonſt wie der tertius.

Auf einem beſondern BlattNachricht von der Reſtauration pp. findet ſich: Die Gieſſer Bürger haben 1650 zur neuen Univerſität 1800 fl. baar Geld colligirt auch ſich erboten jahrlich von 4000 fl. Capital 200 fl. Zinß zur Erhaltung eines Pro⸗ feſſoris zu geben; dazu auch etliche Morg. ausgeſtellter Gart.

Während in einer gedruckten Verfügung des Landgrafen Georg II.(dat. Frank⸗ furt 2. April 1650) in der feierlichſten Weiſe die Wiedereröffnung der Gießener Uni⸗ verſität bekannt gemacht, des Pädagogs aber nicht eigens gedacht wird, haben wir einen Berichtpostscriptum de anno 1650 1), worin es beſonders heißt, daß Cantzler, Rektor univers. u. Pädagogiarch bei der restauratio paedagogii solennior contiones und orationes gehalten undalßo dießer Actus ſehr wohl abgangen iſt. In der gnädigen Antwort des Fürſten wird hervorgehoben, daß die prompte Eröffnung des Pädagog ſein Wolgefallen habe undwerdet Ihr Uns förderlich eine Designation zu über⸗ ſchicken wißen, was Ihr vor Lectiones und exercitia zu halten entſchloſſen ſeyd.

Dieſer Bericht iſt leider nicht erhalten, aber für 1655 erfreuen wir uns vortrefflichen Materials, um einmal in das eigentliche Innere der Anſtalt hineinzuſchauen. Die philoſ. Fakultät war von Darmſtadt aus zu eingehendem Bericht über die Gebrechen des Pädagogs aufgefordert und entledigte ſich dieſer Auflage, indem ſie erſtens den Fall des brutalen M. Orth erläuterte, zweitens Mißſtände bez. der deductio templi abzuſtellen vorſchlug, 3, was uns hier näher liegt, auf den Lehrbetrieb in extenso eingieng.

Die Lectiones grammaticas betreffend könte ein beſſerer modus ergriffen, dieſelbe auch mit den Superioribus Classibus füglicher in praxi als recitatione laboriosa tractirt werden an ſtatt der Colloquiorum leluici könten andre Autores Classici, als lustinus, 2. Curtius inſonderheit bei den Superioribus, bei den geringern aber neben den Colloquiis Heluici die epistolae Ciceronis Iſehlt: ad)] familiares introducirt werden. D. Tonsors ſeel. Chria ſo niemals gedruckt, auch bei keinem Knaben gantz befindlich, könte unterlaſſen und an dero ſtatt ein compendium oratorium eingeführt werden. Die orationes Ciceronis betreffend ſpürt man, daß etwa alle halb⸗Jahr die Superiores deren eine auf beſchehene Explication der Praeceptorum verteutſchen lernen, davon doch für dieſelben heilſamer und beſſer ſeyn möchte, wenn ſie den sensum vor ſich ſelber zu assequir. angeführt würden, oder aber die Praeceptores ihnen ſolche orationes fein secundum oratoriam, rhetoricam, auch logicam resoluirten, auch worin das artiſicium beſtünde und was tam ad constructionem, quam ornatum orationis gehörig per exempla et exercitia ad imitationem vorzeigten.

Die Graeca betreffend, ſo befindet man, daß faſt die Knaben in utroq. Paedagogio maiori et minori beſſer in graecis als latinis informirt ſeyen, iedoch würde die griechiſche Poesis negligirt weswegen auf beßerung zu gedencken auch beneben dem Testamento graeco ein guter autor Classicus zu

¹) von ſehr ſchöner Kanzleihand, offenbar eine der von Rambach aus dem landgräfl. Archiv erbetenen Abſchriften, davon eine Anzahl vorhanden ſind von 1650 1733,