Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Großh. Gymnasiums zu Gießen für die Dreijahrhundertfeier am 10. Oktober 1905 auf Grund von Mag. Franz Rambachs Sammlungen / bearb. und hrsg. von Ludwig Schädel
Entstehung
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behörenden Orten anzumelden und auch ſelbſt mit dahin zu ſehen, daß obiges alſo effec⸗ tuiret werde. Und wir ſeynd euch mit Gnad wohlgewogen. Datum Darmſtatt d. 29. Auguſt 1673 Ludwig.

Die eben berührten Verhältniſſe erhalten einen Abſchluß durch eine ſpäter bei⸗ gefügte Notiz:

Schadius supra dictus poenitentia tactus petiit idemq. per multas preces et intercessiones obtinuit ut tandem exemtione iam dudum facta ipse adhuc ex- emtis quasi adiiceretur et in urbe toleraretur. Eodem anno iſt ante examen ver- nale Martin Eberhard Winckelmann von Niedereleen ein böſer Bub als der erſte auf dem Schwartz. Brett relegirt und da er hierauf inſtand. um ſeine Reception gebet., wieder aufgenommen worden.

Als auch die Rectores anfingen iedermann ohne unterſcheid zu inſcribiren, ohne auf Zeugniſſe u. die Tüchtigkeit zu ſehen ia gar die anzunehmen die aus Schulen entwichen worüber hier und anderer Orten die Zucht verfiel und bittere Klag. entſtunden, ſa that Rudrauf deswegen eine Vorſtellung bei Hof und erhielt hierauf die Univerſität folgendes Reſcript:

Von Gottes Gnad. Ludwig pp.

Würdig und hochgelehrte liebe getreue! Wir mögen euch gnädigſt nicht ver⸗ halten was maſen uns euſerlich vorkommen auch ſo wol hier als von andern Orten geklagt wird, daß faſt indifferenter nicht weniger diejenige Knaben, welche ander (wärts?) aus der disciplin getretten, oder aus geringen landſchulen kommen, oder ſonſt informirt worden, ob ſie ſchon theils noch gar untüchtig ſind und wieder andre, ſon⸗ derlich auch einer, ſo aus hieſig. Paedagogii secunda classe, als er ein halb Jahr zu hauß geweſen, und dann wiederum einer, ſo auch vor geringer Zeit ex secunda classe zu Gieſen ausgetret., und eine geringe Zeit die Echzeler Schul beſuchet, als exemti bei der Univerſität zu Gieſen ad publicas lectiones audiendas sine examine gleich angenommen immatriculirt und inſcribiret worden¹). Nachdem denn ſolches denen Statutis academicis²) nicht gemäß, ſondern zuwieder iſt, als welche vermögen, daß dieienige, ſo aus trivial-Schulen nach Gieſen kommen und ihre Namen bei dem Rectore angeben, zu den lectionibus publicis nicht zugelaſſen werden ſollen), ſie ſeyen denn von dem Decano der philoſophiſch. facultäat in Gegenwart unſres Paedagogiarchae examiniert und daß ſie ſolche lectiones publicas zu hören würdig ſeyen erkant worden. So befehlen wir hiermit gnädigſt, daß ihr und ſonderlich der iedesmalige Decanus in der philoſophiſchen facultät, dahin ſehen ſollet, daß gegen die statuta academica hierinnen ins künftige nicht mehr gehandelt, ſondern bei Ver⸗ meidung unſerer Andung, dem Inhalt beſagter Statutorum praecise nachgelebt werde. Verlaſſens uns alſo zugeſcheh. und ſeynd euch mit gnad. wol gewog. Datum Darm- statt am 29. Auguſt anno 1670. Ludwig.

¹) Gleichartige Kämpfe im Grunde um die heutige Reifeprüfung geführt ſpielen auch hier, in Gießen, in ſtets ähnlichen Formen während anderthalb Jahrhunderten..

²) Tit. 79 de officio paedagogiarchae in specie iſt gemeint.

³¹) Man ſieht, ein wie unzureichender Beweis für Exiſtenz einesGymnaſiums es iſt, wenn es den jungen Leuten einer Landſtadt gelingt im 17. u. 18. Jahrh. an irgend einer Univerſität zu hören.