Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Großh. Gymnasiums zu Gießen für die Dreijahrhundertfeier am 10. Oktober 1905 auf Grund von Mag. Franz Rambachs Sammlungen / bearb. und hrsg. von Ludwig Schädel
Entstehung
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anno 1671 die 20 Maii in numerum praeceptorum Class. cooptotus fuit M. Ioan. Nicol. Rosler Schottensis et praesentatus in locum Magistri Rodaugii. eodem anno dicto praeceptorum collegio additus fuit Magister Christian Linckel ¹) Niddanus et praesentatus in locum M. Pistoris pro(?) tempore defuncti.

a0 1673 M. Rosler primus Schottensium ecclesiae praefectus fuit Pastor primarius et in eius locum paedagogicum successit M. Ioan. Philip. Seippius Lichensis ex praescripto principali 1673 d. 25. Aug. Darmſtadt ²).

1670 d. 29. Aug. ward verordnet, daß niemand aus einer privat- oder trivial- und landſchul inſcribirt werden ſolte, er ſey denn von dem Decanus facultatis philo- sophicae in Gegenwart des Paedagogiarchen examinirt und ad lectiones publicas audiendas würdig erfunden worden. Am allerwenigſten aber ſolle man die, bei der academie, recipiren und immatriculiren, die aus den paedagogiis oder anderen Schulen ausgetreten. Erſterer Punct, nämlich den Pädagogiarchen zu ſolchen examinibus zu ziehen, iſt auch ſchon 1639 d. 6t Sept. durch ein ſcharfes Mandat vom Landg. Georg feſt geſetzt worden.

Hierher gehört, obwohl an andrer Stelle inmemorabilia Paedagogii ver⸗ merkt: ao 1673 Paedagogiarcha Rudrauffio.

Post inchoatas aestivas lectiones, ubi Ioh. Henricus Schadius excussa dis- ciplina ad malam et dissolutam vitam sese convertit, per speciale rescriptum Serenissimi principis cautum et mandatum est ut ad conservandam disciplinam scholasticam eius modi immorigerorum³) nomina tabulae nigrae insererentur et ex urbe per brachium seculare eiicerentur. Testibus ipsis litteris datis Darm- stadt d. 29 Aug. 1673 ad me⁴). Litterae in actu exemtionis publice a Decano Dn. D. Straussio fuere praelectae et expositae ac ita ad verbum sonant:

Von Gottes Gnad. Ludwig Landgraf zu Heſſen pp.

Hochgelehrter lieber getreuer. Wir haben aus eurem Schreiben vom 24. dieſes verſtand. was vor Ungehorſam und Unordnung auch bei der Jugend im Paedagogio zu Gießen einreiß. wolle, und was ihr dem zu ſteur. vor Vorſchläge desweg. gethan. Nun vernehmen wir zuforderſt gar ungern, daß ſolche ärgerliche Händelsund unver⸗ antwortliche Widerſetzlichkeit von ungezogenen böſen Buben einſchleichen wolle. Und gleichwie Eures Amts ohne das iſt, daß ihr dageg. einen recht. Ernſt gebrauchet und über ſolchem Eurem Amt mit Nachdruck haltet: alſo laſſen wir uns auch den von euch vorgeſchlag. modum, daß nämlich ſolcher halsſtarrigen ungehorſam. böſen Knaben nahmen, zu der andern Schreck. und Abſcheu, in der Claſſe auf ein Schwartz brett öffentlich angeſchlagen und dann auf Euer anmelden und bei ſothanen umſtänd., da ſich der ausgetretene auf ein ärgerliches müſſiges Leben wendet und nicht etwa ein Handwerck oder ſonſten etwas redliches zu lernen vornimt, durch obrigkeitliche Hülffe auf Vorzeigung dieſes ohne neben Abſehen entweder auf gute Wege wiederum gebracht oder gar aus der Stadt und consequenter aus den Aug. der Jugend gebracht werde, gnädigſt wohlgefallen. Und habt ihr euch demnach auf den begebenden fall an

¹) Mag. Linckel fehlt in Dr. Geiſts Liſte(S. 15) völlig; nicht aber in unſren hſr. erhaltenen, auf Rambach zurückgehenden Tabellen, die er doch allein benützte(hier auch Lincköl geſchrieben).

²) Es iſt auffallend, welch rauhes Latein der ſonſt grundgelehrte Rudrauff ſchreibt im Vergleich z. B. mit D. Benner, der doch ein halbes Jahrhundert ſpäter blüht.

³) Kein lat. Wort, ſowenig wie das auch begegnende inidoneus.

) Rudrauffs Notiz! Die Abſchrift iſt von Rambach, der die erſte Perſon konſerviert.