Aufsatz 
De periodorum Livianarum proprietatibus / Eduard Wesener
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

B. Chronik des Gymnaſiums.

Durch Allerhöchſtes Reſeript vom 9. Februar 1859 geruhten Seine Königliche Hoheit der Kurfürſt, dem Unterzeichneten die Stelle des Directors und erſten Lehrers am Gymnaſium zu Fulda allergnädigſt zu übertragen. Von dem Herrn Regierungsdireetor Wachs im Auftrage des Kurfürſtlichen Miniſteriums auf die Dienſtanweiſung vom 22. November 1849 verpflichtet übernahm derſelbe demnach mit dem Anfange des Schuljahrs die Leitung der Anſtalt.

Eduard Weſener wurde am 10. Januar 1808 zu Necklinghauſen in Weſtfalen, wo ſein Vater Landrichter war, geboren und erhielt ſeine Gymnaſialbildung auf dem Progymnaſium ſeiner Vaterſtadt und dem Gymnaſium zu Münſter. Er ſtudirte auf den Univerſitäten zu Bonn, Leipzig und Berlin von Oſtern 1826 bis zum Herbſt 1829, beſtand vor der wiſſenſchaftlichen Prüfungs⸗ Commiſſion zu Berlin die Prüfung pro facultate docendi und hielt ſein Probejahr an der mitt⸗ lerweile zu einem vollſtändigen Gymnaſium erhobenen Anſtalt ſeiner Vaterſtadt in dem Schul⸗ jahr 18 3 ab. Nachdem er darauf als Freiwilliger durch einjährige Dienſtzeit zu Köln ſeiner Militärpflicht Genüge geleiſtet hatte, wurde er durch Reſeript des Provinzial⸗Schulcollegiums zu Münſter vom 14. September 1832 als Präceptor und Hülfslehrer an dem Gymnaſium zu Pader⸗ born beſchäftigt, Oſtern 1835 aber als ordentlicher Lehrer an dem Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt angeſtellt. Von hier wurde er, unter Beförderung zum Oberlehrer, mit dem 1. November 1839 an das Gymnaſium zu Culm an der Weichſel berufen. Auf ſeinen dringenden Wunſch wurde er mit dem 1. October 1852 in die Rheinprovinz, an das Gymnaſium zu Coblenz verſetzt, von wo er durch die Gnade Seiner Königlichen Hoheit, ſeines jetzigen Allergnädigſten Landesherrn, nach Fulda berufen wurde.

Möge es ihm gelingen, in der ehrwürdigen Bonifaciusſtadt, zum Wohle der dem Gymnaſium anvertrauten Jugend zu wirken und das allgemeine Vertrauen, deſſen ſich ſein von ihm hochgeſchätzter Amtsvorgänger während ſeines langjährigen, ſegensreichen Wirkens hier erfreut hat, zu gewinnen.

Obwohl im Verlauf des Schuljahrs durch Erkrankungen und Todesfälle von Lehrern manche Störungen in dem regelmäßigen Gang des Unterrichts hervorgebracht wurden, ſo gelang es doch durch das eifrige Zuſammenwirken aller Collegen und durch die Fürſorge des Kurfürſtlichen Mini⸗ ſteriums, den Lehrplan im Ganzen vollſtändig durchzuführen. Der Geſundheitszuſtand der Schüler war im Allgemeinen nicht ungünſtig.

Im Einzelnen iſt aus der Chronik des Gymnaſiums Folgendes zu berichten.

1. Das Schuljahr wurde am 2. Mai mit Choralgeſang, Gebet, Anrede an die Schüler, Verleſung und Erläuterung der Schulgeſetze im Prüfungsſaale feierlich eröffnet. Sodann wurden die Aufnahme⸗ prüfungen vorgenommen und von den angemeldeten Schülern wurden 21 in die Sexta, 2 in die Quinta, 3 in die Quarta, 1 in die Untertertia, 1 in die Unterſecunda, 2 in die Unterprima aufgenommen.

2. Die Sommerferien dauerten vom 11. Juli bis zum 1. Auguſt, die Herbſtferien vom 22. September bis zum 8. October, die Weihnachtsferien vom 23. December bis zum 2. Januar.

3. Durch Beſchluß Kurfürſtlichen Miniſteriums vom 19. April 1859 war der Gymnaſial⸗ Practicant Körber mit der Aushülfeleiſtung am Gymnaſium während der Erkrankung des Gym⸗ naſiallehrers Schmitt beauftragt.