Aufsatz 
Ueber die Bedeutung von psychē und eidōlon in der Ilias und Odyssee als Beitrag zu der Homerischen Psychologie / Karl Heinrich Wilhelm Völcker
Entstehung
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Auch an Stimm', und wie jener, den Leib mit Gewan- den umhüllet.

Dem Odysseus erscheinen in der vorigen Gestalt Bräute, Iünglinge, Greise, kindliche Mädchen, Männer mit Wun- den und blutbesndelter Rüstung(32), er erkennt sogleich seine Mutter, den Atriden, Ajax, Achilles u. s. w. Diese Existenz ist zu erklären aus der Natur der Traumgestalten, womit sie der Sänger selbst vergleicht(33). Es ist immer gerade das Abbild des wahren Menschen, und zwar wie er zur Zeit seines Sterbens war(34). Auch die Seelenzustände- verpflanzen sich eben so unter die Erde. Alle sind dort bei

IIomer dieselben geblieben.

Die Ursache dieses Glaubens beruht wieder auf ganz sinnlicher Vorstellung, nemlich dass man eine Fortsetzung des Lebens nichf anders zu denken wusste denn als eine Fort- setzung aller gegenwärtigen Zustände. Kein Leben kennt der ungebildete Mensch, ohne in einem Raum eingeschlos- sen

(32) Od. XI, 58. vgl. Halbkart S. 101 105. Heyne zu II. XXIII, 65. ff. Plutarch. de Facie in orbe Lunae S. 945, a. Vollkom- men wahr, wenn auch nur ironischen Sinnes, beschreibt Lu- cian die Natur der Eidola, ver. Histor. T. I. p. 672. Ed. Am- stolod. v. 1687. vgl. Plat. Phaed. ed. Bipont. p. 164. u. Beck allgem. Weligeschichte I, 1. 420.

(33) Od, XI, 200. Eustath. 1672, 13 29. 1665. 3f. (34) Vgl. Rustath. 1957, 11. S0 glaubte nuch noch Antisthenes Eust. 1208, 9. Schol. Venet. II. XXIII, 65. u. daselbst Heyne.

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