Aufsatz 
Ueber die Bedeutung von psychē und eidōlon in der Ilias und Odyssee als Beitrag zu der Homerischen Psychologie / Karl Heinrich Wilhelm Völcker
Entstehung
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des, das Blut aber bleibt auf der Oberwelt in dem Körper zuriick, oder verströmt aus einer Wunde auf die Erde. Darum entbehren die Schatten der Todten des Blutes, und ihr Leben ist nur ein halbes Leben, weil nur die eine Bedin- gung desselben, der Athem, vorhanden ist. Das Blut fehlt, und sie sind also ohne alles Körperliche. Mit dem Körper- lichen kommt die Besinnung wieder, wenn sie Blut trinken, wenn sich dieses zum Athem gesellt. Aehnlich verlegten auch noch spätere Philosophen, wie Empedocles, Kritias, den Hauptsitz der Secle in das Blut, wie nach den Pytha- goräern die Scele ihre Nahrung daher erhält. Diogenes von Apollonia u. A. dachten gleichermassen.

Die Theile des Körpers, worin das Blut und der Athem zusammen ihren Sitz haben, als αmτιαοςπ, 1r, ανεμm, sind darum ebenfalls Sitze der geistigen Thätigkeiten. Dahin ge- hört auch Ogëres(21), und weil Blut und Besinnung, beides zusammen, den Todten fehlt, heissen diese 4ροαμ☚αεε. Dass an beides zugleich zu denken ist, beweist, dass mit dem ei- nen(dem Blute) das andere(das Bewusstseyn) wieder- kommt. Vorzuwalten aber scheint der Bezug auf das Kör- perliche, wenn Achilles des Patroclus Luftgestalt nicht fas- sen kann, und sie für ein Eidolon erklärend hinzusetzt:

** 7 6 5. d% Ogëvs oda u ⁴ι. ααν%(22). Will

(21) Als die Praecordia, receptaculum sanguinis, s. d. Ausleger zu Odyss. IX, 501..

(22) II. XXIII, 104. vgl. Schol Venct. u. Heyne zu d. a. O.