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Denn nicht wird mehr Fleisch und Gebein durch Seh- nen verbunden;
Sondern jenes vertilgt die gewaltige Flamme des Feuers
Alles, sobald aus dem weissen Gebein das Leben hin- wegfloh.
Nur die Seel(Puxlα*) entfliegt, wie ein Traum, von dannen und schwebet(19).- Für die Bildung aus Luft bestimmen sich denn auch die Er- klärungen der Alten(20).
§. 5.
Das Immaterielle jener Gestalten findet ferner seine Be- stätigung darin, dass sie der Besinnung und des Bewusst- seyns beraubt sind, che sie Blut getrunken haben. Dieser Glaube beruht wieder auf ganz folgerechten sinnlichen Wahr- nehmungen. Die zwei Hauptbedingungen des Lebens, die die Homerische Welt weiss, sind der Athem und das Blut. Beider Sitz wird in der Brust gedacht. An den Begriff des Lebens wurde natürlich, im Gegensatz gegen das Unbelebte, der Vorzug des Gebrauchs der Sinne und der geistigen Thä- tigkeiten geknüpft. Im Tode geht die Psyche in den Ha- des,
(19) Odyss. XI, 219— 223. vgl. V. 392. und Eurip. Phoeniss. 1543. f. Alcest. 1137. ed. Matth.
(20) Schol. Venet. zu II. XXIII. 449. Eustath. 1672, 18. ff. Auch das roien, das den Schatten eigen ist, echeint daher zu rüh- ren, vgl. Halbkart S. 93. ff.


