Aufsatz 
Ueber die Bedeutung von psychē und eidōlon in der Ilias und Odyssee als Beitrag zu der Homerischen Psychologie / Karl Heinrich Wilhelm Völcker
Entstehung
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ben und ihn im Tode verlassen und aufhören, wie das Leben auch. Daher man sagen kann, Homer habe den Menschen in Bezichung auf Geist und Körper weder als eins noch als zwei gedacht.

§. 2.

Also so weit war das Nachdenken noch nicht gediehen, dass man die Seele nach dem Tode selbsstandig hätte fort- existiren lassen, sondern der Glaube an Fortdauer beruhte auf weit sinnlicheren Wahrnehmungen, und hatte sich ganz, wie sich zeigen wird, aus solchen Anlässen gestaltet und gebildet. Das Wort ol⅓‿ᷣ nach seiner Herstammung von *(3) ist zunächst der Athem, die Lufr, welche wir aushauchen und einzichen, und dieser Begriff liegt durch- aus allen Bedeutungen des Wortes in der Homerischen Sprache unter. Indem aber der Athem die eine sichtbare Bedingung des Lebens ist, welche mit dem zweiten Prin- cipe des Lebens nach der Vorstellung der Alten, dem Blute, seinen Sitz in der Brust hat, so ist allmählig der Ausdruck des Lebens durch dieses Wort der näherliegende geworden, ohne aber als solcher die Nebenbedeutung des Athems ganz aufgegeben zu haben. Diese ist besonders erhalten in den Stellen, wo von der Nux⅛ gesagt ist, sie sey entflohen dem

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(3) Hesych. u. Phavor. in Jrxd; und r⁴, Eustath. S. 16, 18. Voss. Etymol. voc. animus, Halbk. a. a. O. S. 4. vgl. Plutarch. de Stoicor. Repugnant. 8. 1052. f.