29— Gymnasiums, in Cassel auszuführen, bei dem die Elementarschule aus sechs halbjährigen Stufenklassen bestehen sollte, wie ich in meiner Geschichte der Oberrealschule zu Cassel, 1893, dargelegt habe.
13) Die Gymnasialkurse für Mädchen in Frankfurt a. M. gehen zu Ostern 1902 in Realgymnasialkurse über, was schon als ein durch die neuen Berechtigungen erzielter Fortschritt zu begrüssen ist. Dass die Fachleute meine Ausicht völlig teilen, beweist z. B. der Bericht über die Verhandlungen der 17. Hauptversammlung des Deutschen Vereins für das höhere Mädchenschulwesen in Freihurg i. B. am 1. Oktober 1901. Man lese z. B. das Referat von Dir. Dr. Horn-Frankfurt a. M. und das Korreferat von der Gründerin und Vorsteherin der Frauen-Fortbildungs- Anstalt Stuttgart, Fräulein Bethe, ferner die Bemerkungen von Frau Dir. Rebmann-Freiburg, der Vertreterin des Vereins„Frauenbildung und Frauen- studium“, von Dir. Dr. Wespy-Hannover und besonders von Dir. Dr. Rademacher.
14) Vergl. den Artikel: Einheitsschulverein von Hornemann bei Rein I, S. 779.
15) L. v. Stein, Das Bildungswesen(in seiner Verwaltungslehre). Stuttgart 1884, S. 397— 410. Hierbei darf ich wohl auch an Herders Fragmente über die neuere deutsche Litteratur erimern, wo er z. B. in der dritten Sammlung beweist, dass unter der Herrschaft der lateinischen Sprache die unsere sehr ihre alte Stärke verloren hat, und dass in den Schulen lange ein lateinischer Geist geherrscht hat, der Genies, brauch- bare Männer und selbst Gelehrte hindert. Schiller, Aufsätze über die Schulreform, 1. Heft, Wiesbaden 1901, giebt sehr beherzigenswerte Aus- führungen über die Latinität. Eine Stelle daraus(S. 26) kann ich mir nicht versagen, ihrer grossen Wichtigkeit wegen hier anzuführen:„Man denke sich nun, dass in einer Stadt Gymnasium und Kealschule neben einander bestanden; jeder Lehrer, jeder Schüler, viele foltern kaunten eine Menge von Flillen, in deuen ein Schüler auf dem Gymndsium nicht gedieh, während er auf der Realschule vorwärts kam. Statt nun den Schluss zu ziehen, dass es sich hier vielleicht um eine anders- artige, psgchologisch möglicherweise richtiger geordnete Bildungsweise handle, und dass dadurch jene Perscheinung zu erklären sei, schloss man frischweg, die Kealschulbildung sei minderwertig, und jeder, der für das Gymnasium unbrauchbar sei, sei gut genug für die Heeal- schule. Dass die Wertschätzung dieser Anstalten dabei nicht ge- winnen Konnte, liegt auf der Hand. So kam es, dass die Heealschul- bildung weiten Kreisen als eine minderwertige galt und trotz aller prinzipiellen“ Gleichstellung noch gilt, während als erstklassige Bildung nur die von den Gymnasien gegebene erschien und noch immer erscheint.“


