Aufsatz 
Die einheitlichen Ziele im Schulwesen / von K. Knabe
Entstehung
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diese Lücken auszufüllen, haben schon viele Abiturienten von Gymnasien und von Realanstalten bewiesen. Mancher unter den letzteren dient schon längst einer Wissenschaft zur Zierde, zu deren Studium ihn die höhere Schule, die er be- sucht hat, nicht berechtigte.

Um die Uberwindung dieser Schwierigkeiten ihren Zög- lingen zu erleichtern, haben manche Oberrealschulen in Ober- sekunda und in Prima wahlfreien lateinischen Unterricht ein- geführt, ganz genau zu demselben praktischen Zwecke, zu dem die meisten Gymnasien jetzt anf der Oberstufe einzelne Schülern Hebräisch und Englisch lehren. Also auch dieses Bedenken gegen die Gleichwertigkeit dürfte hinfällig sein. Sollte denn ein junger Mann nach mindestens 12 jähriger geistiger Zucht nicht im stande sein, Lücken in seiner Vor- bildung auszufüllen, wenn er dies zu dem von ihm gewählten Berufe nötig hat?

Gestatten Sie mir noch die Bemerkung, dass alle meine Darlegungen nicht nur auf der Erkenntnis beruhen, die ich mir durch eingehendes Studium der Geschichte des Schul- wesens erworben habe, sondern auch auf der praktischen Erfahrung an allen Lehranstalten. Überall ist es mir vergönnt gewesen, mit dem scharfen Blicke des Lehrers zu schen und nicht nur etwa bei einzelnen Schulen durch die Brille des Schülers.

Der ungeahnt schnelle und hoffentlich bald völlige Erfolg, der den Realaustalten jetzt zu Teil geworden ist, macht uns, die wir die Ehre haben, an ihnen zu wirken, wahrlich nicht stolz und übermütig, nein, wir alle fühlen die Zulassung unsrer Schüler zu allen Berufen nicht als ein Recht, sondern als eine neue schwere Pflicht, die unsern Schulen und uns auf- erlegt ist; aber wir gehen mit frischem, gutem Bewusstsein an die Aufgabe heran, die uns zu unserer Freude gestellt ist.

Lin Übelstand im höheren Unterrichtswesen ist noch darin vorhanden, dass der bergang von der einen höheren Lehranstalt zur andern so schwierig ist. Auch hierin können die sogenannten Reformschulen äusserst segensreich wirken,