induktive Forschung in ihrer unermesslichen Bedeutung ins klare Licht gestellt wird. Die unerbittlich strenge Mathe- matik— es giebt keinen Königsweg zur Mathematik, und kein mathematisch Ungebildeter trete in die Akademie ein! das waren Platos Vorschriften— nimmt ihre Jünger in eine stramme logische Schulung und giebt ihnen die Freude am Gewissen, und die Naturwissenschaften lassen die Realschüler einen tiefen Einblick thun in die reiche und doch so gesetz- mässige Mannigfaltigkeit der Natur; ²⁵) sie führen sie zur Erkenntnis der Schöpfung und somit auch des Schöpfers aller Dinge. Ilierin liegt doch wahrlich nicht ein praktischer, sondern ein hoher ethischer Wert. Wer sich zum Kenner, ja zum Herrscher der Natur aufgeschwungen hat, der ist fähig, der Menschheit zu grossem Segen zu gereichen.
Was soll man da wohl sagen, wenn ein Gymnasialmann, ²) der übrigens schon seit mehr als 10 Jahren für die Gleich- berechtigung kämpft, temperamentvoll ausruft:„Die glän- zendsten Errungenschaften der exakten Wissenschaften und der Technik können einem Volke nichts helfen, dem es an führenden Geistern fehlt!“ Ich glaube, wenige werden ihm zustimmen, wenn er die„führenden Männer“ etwa nur auf dem Gebiete der sogenannten Geisteswissenschaften, wohl gar nur der klassischen Philologie sucht. Wir wissen, dass die Naturwissenschaften aller Arten weit mehr Führer ge- liefert haben und liefern werden.
Darum legten ja auch nicht nur die alten griechischen Philosophen, sondern auch ihre Dichter einen so wesentlichen Wert auf die Natur-Erkenntnis. Da die Behauptung sicher wahr ist, dass nur derjenige sich eine höhere Allgemein- bildung erworben hat, der mit historischer Kenntnis einen richtigen Einblick in die Natur verbindet, so muss man un- bedingt die Oberrealschule als gleichberechtigt neben das Gymnasium und das Realgymnasium stellen. Das ist ja auch glücklicherweise das Ziel, das die neueste Entwicklung unsers höheren Schulwesens anstrebt; sie verlangt auf einer ge- sicherten Grundlage in der Erkenntnis der Geschichte des


