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zeichnung: Humanismus und Realismus sowohl jetzt wie früher ein durchaus unzutreffendes, irreführendes Schlagwort. Der Realismus hat im höheren Schulwesen von Anfang an nur dem Nominalismus oder Verbalismus, aber nicht dem Huma- nismus oder gar Idealismus gegenübergestanden. Die Gym- nasien waren früher fast nur Sprachschulen, ihnen traten mit ausgesprochener Absicht die Sach- d. h. die Realschulen gegenüber. ¹s) Heute sind die Gymnasien ebenso realistisch wie die Realanstalten humanistisch; dies wird auch von vielen bedeutenden Sachkennern bereitwillig anerkannt. ¹9) Aber in die grosse Menge ist diese Erkenntnis noch immer nicht ge- drungen, und darum stimme ich noch heute wie früher denen bei, die den Namen Real-Gymnasium und Real-Schule als irreführend abgeschafft wissen wollen. ²⁰)
Vergleichen wir nun die verschiedenen Anstalten mit ein- ander, so sehen wir, dass die Lehrziele und Lehrpläne in den éethisch bedeutsamsten Fächern fast übereinstimmen, nämlich in Religion, Deutsch und Geschichte. Im Deutschen hat die Oberrealschule ein gewichtiges Übergewicht über das Gym- nasium, das sie dazu verwendet, um eine philosophische Art des Denkens in einer Propädentik anzubahnen, und um ihre Zöglinge in die ewig währenden Schönheiten der Antike ein- zuführen. Die Oberrealschüler sollen sich erquicken an den Schöpfungen Homers, sie sollen erhoben werden durch die herrlichen Dramen eines Sophokles und anderer. Freilich gebe ich zu, dass Übersetzungen wohl nie das Original völlig er- reichen. Aber die Bibel gilt ja doch vollständig als ein deutsches Buch, und kann nicht Sophokles ebenso gut, wie es doch Shakespeare in weiten Kreisen schon ist, ein durch- aus deutscher Dichter werden? Und wenn Wilamowitz meint, der Einblick in die Poesie des Homer und Sophokles, der wertvoll sei, um Lessing und Goethe zu verstehen, könne sehr wohl durch Übersetzungen und andre Vermittlung gewonnen werden, so können wir uns dabei wohl beruhigen. Kommt dazu noch die an F. A. Wolf angelehnte Behauptung Muffs, dass die Stellen in den Schriften der Alten, die mehr wissen- schaftliches als praktisches Interesse haben, viel eher durch


