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kann der Mensch, der eine gute Volksschule mit gutem Er- folge durchgemacht hat, auch ein gewisses Mass von allge- meiner Bildung für sich in Anspruch nehmen, während die- jenige Allgemeinbildung, die ein— im weitesten Sinne des Wortes— studierter Mensch besitzt, von wesentlich anderm Grade ist, und dazwischen befinden sich viele Stufen, die durch weiteren Schulbesuch oder auch durch das Leben(Reisen, Privatstudium) bewirkt worden sind. Dabei ist das Wort Bildung und sein Begriff in dieser Bedeutung noch gar nicht alt: erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts kommt es auf. Pestalozzi und Herder sind die ersten pädagogischen Schrift- steller?), bei denen„Bildung“ zum ständigen Ausdrucke, so- wohl für die Thätigkeit des Erziehers und Lehrers, als für ihr Ergebnis, die innere Form des Zöglings, geworden ist. Der letztere bestimmt in einer Rede vom Jahre 1786 den Zweck des Gymnasialunterrichts als die allgemein menschliche Bildung, die der Berufsbildung zu Grunde liegen müsse, und ersterer schreibt im Jahre 1780:„Allgemeine Emporbildung der inneren Kräfte der Menschennatur zu reiner Menschen- weisheit ist allgemeiner Zweck der Bildung auch der niedrig- sten Menschen.... Berufs- oder Standesbildung muss immer dem allgemeinen Zwecke der Menschenbildung untergeordnet sein.“
So kommen auch wir auf die Frage: Was ist Bildung? Was hat man unter einer allgemeinen Bildung zu verstehen? Natürlich erinnern wir uns da zunächst des schon erwähnten gradweisen Unterschieds der Bildung, aber eine allgemeine Formel, sollte man meinen, müsste es doch geben, um den Begriff klar zu stellen. Kenntnisse sind dazu unbedingt er-— forderlich, aber nicht nur diese, sondern auch ein gewisser geistiger Zustand. Man spricht deshalb auch viel von in- tellektueller Bildung, logischer Schulung, Ausbildung des Den- kens, Entwicklung des Verstandes und— wie oft!— von formaler Bildung. Aber auch hiermit ist der Begriff der Bildung noch nicht vollständig erschöpft, es kommt vielmehr noch die ethische und aesthetische Seite namentlich in Be-


