Aufsatz 
Die einheitlichen Ziele im Schulwesen / von K. Knabe
Entstehung
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sämtlich, hohe wie niedere, den Zöglingen, die ihnen anver- traut sind, Bildung übermitteln, wollen doch alle, die an den verschiedenartigen Unterrichtsinstituten schaffen und wirken, wollen doch auch alle, die ihre Kinder den Schulen aller Arten anvertrauen, dass die Schüler gebildet werden. Darin sind alle einig, die Individualisten und die Sozialisten, die Spiritualisten wie die Naturalisten, die Aristokraten mit den Demokraten und endlich auch die Neutralen und diejenigen, die sich um höhere Interessen und Ideen nicht kümmern. Nur der Grad der Bildung und die Art und Weise hinsichtlich des Stoffs und der Methoden sind verschieden je nach dem Standpunkte des Einzelnen nnd je nach der Zeit, in der er gelebt und gewirkt hat. Will der Sozialist möglichst allen die denkbar höchste Ausbildung zuteil werden lassen, so verlangt der In- dividualist eine verschieden gestaltete und gesteigerte Bildung für den Herren- und Dienerstand; aber ausgebildet sollen alle Menschen werden und wenn auch nur zum willigen Gehorsam.

Somit müssen wir zunächst auf den Begriff der Bildung etwas näher eingehen, wenn wir einen Überblick über das Schulwesen gewinnen wollen. Kaum ein Wort wird heute mehr im Munde der Deutschen aller Stände geführt wie Bildung. Bildung ist die begehrteste Ware, auf ihren Be- sitz macht jeder Anspruch, und ihr Absprechen wird von allen als Beleidigung aufgefasst. Aber was versteht man nicht alles darunter! Es ist noch nicht allzu lange her, da suchte man seine Bildung dadurch zu beweisen, dass man in seine Rede möglichst viele Fremdwörter einschaltete. Zu welchen ergötzlichen Szenen es da oft genug gekommen ist, ist Vielen wohl noch erinnerlich. Dass Deutschland grade so gewaltig viele Fremdwörter aufgenommen hat, liegt ja zum grossen Teile auch mit an seiner Geschichte. Der Humanismus zu Beginn der neuen Zeitrechnung und der gewaltige 30 jährige Krieg, während dessen die deutschen Gaue ein Tummelplatz des Auswurfs aller Nationen gewesen sind, sind hier besondere Ursachen dieser traurigen Erscheinung. Kein Wunder, dass