Aufsatz 
Die einheitlichen Ziele im Schulwesen / von K. Knabe
Entstehung
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meine Mittelmässigkeit und damit zu einem Rückgange auf allen Gebieten des menschlichen und staatlichen Lebens mit Sicherheit führen müsste. So stehen sich heute einmal wieder diese zwei Richtungen: die äusserste Aristokratie und die extremste Demokratie unversöhnlich einander gegenüber, ein- mal wieder, sagte ich; denn ähnliche Zustände zeigt uns die Geschichte öfter, vergleichsmässige Kämpfe sind in der Ent- wicklung der Welt und der Menschheit häufig ausgefochten worden, und nicht immer war der Sieg, den die eine oder die andere Partei in dem heissen Ringen davontrug, ein Sieg für die Menschheit selbst, nicht immer bedeutete er einen unmittelbaren Fortschritt, wenn auch die Leistungen und Erfolge schliesslich doch dem Menschen zu gute kamen. Denn wie im Reiche der Natur keine Kraft verloren geht, wenn sie freilich nur dem wissenschaftlich geübten Blicke er- kennbar ist, so kann auch im Gebiete der geistigen Entfaltung kein Atom einer Kraft völlig nutzlos vergeudet werden, früher oder später, hier oder da, wird wieder daran angeknüpft und darauf weiter gebaut.

Ganz besondere historische Belege zu derartigen Kämpfen finden wir in der Geschichte der griechischen Völker und be- sonders der Athener, die ja auf so vielen Gebieten noch heute gewissermassen unsre Lehrmeister sind. Müssen wir eine körperlich und geistig so begnadete Natur wie den Alcibiades durchaus als Ubermenschen bezeichnen, so sehen wir dagegen, wie in dem Ostracismus, dem Scherbengericht, der Demos, das souveräne Volk, sich eine Waffe geschaffen hat, alle ihm unbequemen Elemente, die sich aus der Alltäglichkeit heraus- heben, von sich auszuschliessen. Wer von uns glaubt denn an die Realisierbarkeit der Schilderungen Bellamys in seinem Rückblicke vom Jahre 2000; wer hält es denn für wirklich durchführbar, dass alle Menschen dasselbe arbeiten und dem- gemäss dasselbe denken, fühlen und vollbringen!

Diese beiden Richtungen erstreben natürlich auch ihren besonderen ausschliesslichen Einfluss anf das Schul- d. h. das Bildungswesen unserer Zeit. Sollen ja doch die Lehranstalten