Aufsatz 
Hippolytos : Tragödie des Euripides ; (Dem Großherzoglichen Gymnasium zu Gießen zum Feste seines dreihundertjährigen Bestehens gewidmet) / In dt. Verse gebracht von Otto Altendorf
Entstehung
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Chorführerin. Hier kommt der Unglückſel'ge daher, das blonde Haupt, den blühenden Leib zerſchmettert, zerfleiſcht. O des Hauſes Not, welche doppelte Trauer traf ſein Dach, wie ein Blitz von den Göttern geſchleudert!

Hippolntos. Ich unglückſel'ger, zerſchmetterter Mann! Es hat mich das ungerechte Gebet 3 des ungerechten Vaters geſtürzt.

Wie elend muß ich verderben! Die Schmerzen ſtürmen mir durch das Haupt, es wühlt im Gehirne der Krampf.(Zu einem Diener.) Halt ein! Laß mich ruh'n den gequälten, ermatteten Leib. (Die Bahre wird niedergeſetzt.)

Verhaßtes Geſpann der Pferde, genährt von der eigenen Hand, ihr habt mich vernichtet, getötet den Herrn!

(Die Knechte ſchicken ſich an, die Bahre wieder emporzuheben.)

Bei den Göttern, ihr Diener, faßt leiſe mich an, o ſchont mir den wundenbedeckten Leib. Wer iſt mir zu nahe gekommen hier rechts? Vorſichtig erhebt mich und tragt mich gut, den gottverhaßten, verfluchten Mann durch des Vaters Schuld.(Wird weitergetragen.) Zeus, kannſt du dies ſeh'n? Ich, der fromme, der gottesfürchtige Mann, der alle an Tugenden übertraf, ich ſehe ſchon winken des Hades Tor, ich ſteige hinab in die Unterwelt, ich ſterbe?! So hab' ich umſonſt mich gemüht um die Frömmigkeit, den Menſchen ein Beiſpiel zu geben? Ach, wieder treten die Schmerzen mich an, laßt mich nieder geſchwind. Ach, daß mich doch endlich erlöſte der Tod. Schlägt keiner mich nieder, den Unglücksmann? Eine Lanze begehr' ich, gebt ſie mir her, mit der doppelten Schneide zerteil' ich den Leib und bette mein Leben zur ewigen Ruh'.

(Die Bahre iſt auf der Szene niedergeſtellt.)