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Artemis. Schmerzt dich dieſes Wort? Gedulde dich, noch andres wirſt du hören, was dir noch beſſ'ren Grund zur Klage gibt. ¹315 Der Wünſche denke, die der Vater dir einſt frei gegeben. O der frevlen Tat, daß du den einen gegen deinen Sohn verſchwendet haſt, ſtatt einen Feind zu treffen! Dein Vater aber, der den Wunſch erfüllte, tat, was er mußte, da er dir's gelobt. ¹320 Doch du ſtehſt nun als Frevler da in meinen und ſeinen Augen; haſt du doch kein Zeugnis und keinen Spruch der Seher abgewartet, nicht erſt geprüft und nicht die Unterſuchung der Zeit anheimgegeben, ſondern ſchneller als du geſollt, den Sohn dem Fluch geopfert ¹325 und ihn getötet. Theſeus. Könnt' ich ſterben, Herrin! Artemis. Wohl haſt du Schreckliches getan, doch iſt's auch jetzt noch möglich, daß du Gnade findeſt, Verzeihung deines Tuns. Denn Kypris wollte, daß dies geſchehe, ihren Zorn zu ſtillen. Und dieſes gilt den Göttern als Geſetz: Dem Willen deſſen, der zum Handeln ſchreitet, darf keiner hindernd gegenübertreten, ¹35o wir gehen ſtets einander aus dem Wege. Denn wiſſe wohl, ich hätte, wenn ich Zeus nicht fürchtete, es nimmer zugelaſſen, daß mir der liebſte Mann zugrunde gehe; die Schande hätt' ich nie mir aufgeladen. Du aber haſt den Fehler nicht erkannt, ¹335 das ſpricht dich frei vom Vorwurf böſer Abſicht. Dann hat das Weib den eignen Tod benutzt, um ihres Briefes Klage zu erhärten, ſodaß ſie wohl dein Herz betrügen konnte. Am meiſten iſt das Unheil über dich hereingebrochen, Schmerz bringt es auch mir; denn daß die Frommen ſterben, freut uns nicht, ¹1340 jedoch die Frevler tilgen wir vom Boden ſamt ihren Kindern und dem ganzen Haus.
(Hippolytos wird von ſeinen Knechten auf einer Bahre hereingetragen.)


