Aufsatz 
Hippolytos : Tragödie des Euripides ; (Dem Großherzoglichen Gymnasium zu Gießen zum Feste seines dreihundertjährigen Bestehens gewidmet) / In dt. Verse gebracht von Otto Altendorf
Entstehung
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Artemis(in den Wolken erſcheinend). Dich ruf' ich, des edlen Aigeus Sohn, du höre mich an! 1285 Der Leto Tochter redet mit dir. Was freuſt du dich, unglückſeliger Mann, nachdem du ſo frevel gemordet den Sohn? Von den Lügenworten der Gattin verführt, haſt du blind das Ungewiſſe geglaubt. Doch gewiß iſt dir nun die drückende Schuld. 1290 Drum fliehe hinab in die Unterwelt, von Schande bedeckt, oder ſteige geflügelt hinauf in die Luft, deinen Fuß zu entheben dem Leiden hier. Denn unter den guten Menſchen iſt dir ¹295 nicht fürder vergönnt zu verweilen. Hör', Theſeus, wie's um deine Leiden ſteht. Zwar kann ich dir nicht helfen, ja ich werde dich ſchwer betrüben; doch ich kam hierher dir zu enthüllen deines Sohnes Tugend, wie er, vom Ruhm bedeckt, zum Tode ging, ¹1300 der Gattin Leidenſchaft und Edelſinn, den ſie doch auch, man darf es ſagen, zeigte. Sie ward verwundet von der Göttin Stacheln, uns der verhaßteſten im ganzen Himmel, die wir uns freuen eines keuſchen Lebens, verfiel durch ihre Schuld in ſünd'ge Liebe zu deinem Sohn. Mit ſtarkem Willen ſuchte ſie dieſe Glut in ihrer Bruſt zu bannen, ¹sos jedoch die Ränke ihrer Amme trieben ſie ſchuldlos ins Verderben; dieſe teilte der Herrin Krankheit deinem Sohne mit, nachdem ſie ihn durch einen Eid verpflichtet zu ſchweigen. Aber er, gerecht und treu, folgt' ihren Worten nicht, noch gab er auch, obwohl von dir ſo ungerecht beſchimpft, das Schwurwort preis in ſeinem frommen Sinn. 1310 Doch ſie, aus Furcht, ſie werde überführt, ſchrieb jenen Lügenbrief, durch den ſie liſtig ins Unglück ſtürzte deinen armen Sohn; und du haſt blind dich überzeugen laſſen. Theſeus. Was muß ich hören?