Chor der Genoſſen.
Artemis, heilige, hehre Herrin, gottgeborne, dir ſei Ruhm und Ehre!
65 Jungfrau, auserkorne, allerſchönſte zu ſchauen unter den himmliſchen Frauen! Zeus' und Letos Sproß, wohneſt im Himmelsſchloß, ſchimmernd von leuchtendem Golde, hoch über'm Weltenbraus wohnſt du in Vaters Haus, Herrin, reine, holde!
70 Artemis, ſchönſte der Frauen, die von dem Himmel ſchauen. Heil dir, unſerer Göttin!
(Während des Liedes iſt Hippolytos an das Standbild der Artemis getreten. Er trägt einen Blumenkranz in der Hand.)
Hippolntos. Dir bring' ich, Herrin, dieſen Blumenkranz, den ich auf unberührter Wieſe flocht, ꝛ wo nicht ein Hirte weidet ſeine Tiere, die keine Sichel traf, die nur die Biene, vom Lenz geweckt, durchſtreift. Die Reinheit ſelbſt ſcheint ſie zu nähren mit dem Naß der Quellen. Nur wem ein ſittſam, nimmer ſchwankend Herz Natur verlieh'n, dem ſchenkt ſie ihren Schmuck. so Erlernte Tugend pflückt die Blume nicht, und ſchlechtem Sinne bleibt ſie gar verſagt. (Schmückt die Göttin mit dem Kranze.) Nimm, liebe Herrin, auf dein golden Haar den reinen Kranz aus meiner frommen Hand. Iſt es doch mir allein vergönnt von allen, ss dich zu begleiten, ja mit dir zu reden; denn wenn ich auch dein Auge nicht erſchaue, ſo hör' ich doch vernehmlich deine Stimme. O laß mich immer dieſes Glücks genießen! Mein Leben ende ſo, wie mir's begann!


