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werden kann, ſo liefert die Überſetzung mehr jambiſche Verſe als die Vorlage. Die Stichomythien aber ſind als ſolche wieder⸗ gegeben; hier war es wichtiger, das Antithetiſch⸗Knappe, Schlag⸗ auf⸗Schlag⸗Folgende der Stichomythie wiederzugeben, und mußte, um dies zu retten, manche Gedankenwendung aufgegeben oder verkürzt werden. Die anapäſtiſchen Syſteme ſind nachgebildet, doch iſt hier zum g größten Teil auch der Endreim verwendet worden.
Die Dochmien, die im Deutſchen in ihrer Vielgeſtaltigkeit überhaupt nicht wiedergegeben werden können, hat der überſetzer meiſt in fünffüßige Jamben, einmal auch in freiere Rhythmen mit Reimen umgeſetzt. Die Überſetzung der Chorlieder iſt das Leidigſte und Schwierigſte an einer Überſetzung griechiſcher Tragödien. Das hat ſchon Schiller gelegentlich ſeiner Überſetzungen empfunden, das wird auch jeder ſpätere Überſetzer empfunden haben und empfinden.
Nach Schillers Vorbild iſt der Reim verwendet, aber dabei auch die ſtrophiſche Gliederung und Entſprechung ſtreng durchgeführt.
Für jedes einzelne Chorlied wurde ein eigenes Versmaß geſucht,
in dem man doch jedesmal manche Ähnlichkeiten mit dem des griechiſchen Werkes finden ſollte. Vom Wechſel und der Viel⸗ geſtaltigkeit im Rhythmus, wie ihn die griechiſchen Chorlieder aufweiſen, iſt freilich vieles verloren gegangen; das mag man bedauern, aber man muß, wenn man gerecht ſein will, für dieſen Verluſt die deutſche Sprache verantwortlich machen. Einen Erſatz dafür hat der Überſetzer im Reim geben wollen, den er nicht ſelten in dieſer Abſicht in abwechslungsreicher Anordnung verwendet hat.
Gießen, im September 1905. Otto Altendorf.


