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Grundton und gar oft— wenigſtens für das Gefühl des Über⸗ ſetzers— den Stimmungsgehalt der Szenen, den lyriſchen Ton, wenig entſprechend zur Geltung bringt, zuweilen eigenmächtig verſchiebt..
Aber es wird für jeden Überſetzer ſchwer, wenn nicht un⸗ möglich ſein, den Sprachkenner ganz zu befriedigen. Denn die Anſicht, wie weit man gehen kann in der Nachahmung des Fremd⸗ artigen, ohne dem Geſamteindruck zu ſchaden, und welche Ab⸗ weichungen man ſich erlauben darf, ohne dem Werk des Dichters in unangebrachter Weiſe den Stempel einer fremden Perſönlichkeit aufzudrücken, wird bei den einzelnen ſehr verſchieden ſein. Der Überſetzer aber muß ſich entſcheiden, er muß, wenn er überhaupt etwas zuſtande bringen ſoll, einen Ausgleich ſchaffen, eine Ver⸗ ſchmelzung von Elementen vornehmen, die ihrer Natur nach viel⸗ fach einander widerſtreben und deswegen manche Änderungen Ausſcheidungen und Zutaten, nötig machen. Treue in allem iſt ſelbſtverſtändlich die bedeutendſte Pflicht des Überſetzers, doch muß dieſe Pflicht, da eine nach allen Seiten vollkommene Erfüllung unmöglich iſt, vor allem dem Bedeutſameren und Wichtigeren gegenüber erfüllt werden. Das Wichtigſte aber an einem dichteriſchen Werk iſt keineswegs die Form des ſprachlichen und metriſchen Aus⸗ drucks, ſondern die Wirkung, die der Dichter durch dieſes Mittel auf ſeine Hörer und Leſer ausübt. Vor allem ſollte alſo eine gute Überſetzung im ganzen und in allen kleineren und größeren Unterteilen möglichſt den Eindruck, den das Werk auf den kunſt⸗ verſtändigen Sprachkenner macht, in der Sprache der Überſetzung wieder hervorrufen. Eine ſolche Üüberſetzung iſt gleichzeitig die treueſte Überſetzung, denn ſie gibt die Hauptſache treu wieder. Dieſem Hauptzwecke gegenüber iſt alles andere Nebenſache; ihm zu dienen, darf der überſetzer in allem anderen vor keiner Freiheit zurückſchrecken, ſofern ſie ſich als nötig erwieſen hat. Und wie weit ſolche Freiheit in der Überſetzung griechiſcher Tragödien gehen muß, darüber kann nach den vielfachen Verſuchen auf dieſem Gebiet wohl kein Zweifel mehr ſein.
Nach dem Geſagten wird es ſchwerlich Verwunderung erregen, wenn ſich in der vorliegenden Überſetzung im ſprachlichen Aus⸗ druck manche Abweichungen und Freiheiten finden. Ebenſo iſt das Versmaß faſt durchgängig geändert worden. Der jambiſche Senar iſt aufgegeben, und dafür der uns als Vers des Dramas vertraute fünffüßige Jambus verwendet. Da aber in dieſem Vers im allgemeinen der Inhalt des griechiſchen Senars nicht verarbeitet


