Aufsatz 
Hippolytos : Tragödie des Euripides ; (Dem Großherzoglichen Gymnasium zu Gießen zum Feste seines dreihundertjährigen Bestehens gewidmet) / In dt. Verse gebracht von Otto Altendorf
Entstehung
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Da die vorliegende Überſetzung als Feſtgabe zum drei⸗ hundertjährigen Beſtehen des Gymnaſiums zu Gießen erſcheint, ſo wird es wohl nicht unangebracht ſein, zunächſt des Anteils zu gedenken, den der Leiter dieſer Anſtalt, Herr Geheimer Schulrat Dr. Schädel, an der Arbeit genommen hat. Die Üüberſetzung ver⸗ dankt ihr Entſtehen ſeiner Anregung, er hat dem Überſetzer die Möglichkeit gegeben, dem Klaſſenunterricht, in dem Herr Prof. Hüter in geiſtvollſter Weiſe das Stück behandelte, beizuwohnen und ſich ſo faſt mühelos des ſprachlichen Stoffes des Werkes zu bemächtigen, er hat die Überſetzung in ihrem Entſtehen mit ſtetigem regſten Anteil verfolgt und auch mit Ratſchlägen und Verbeſſerungs⸗ vorſchlägen unterſtützt. Der Überſetzer fühlt deshalb ein beſonderes Bedürfnis, Herrn Geheimen Schulrat Dr. Schädel und neben ihm Herrn Prof. Hüter für die ihm zu teil gewordene Unterſtützung an dieſer Stelle ſeinen Dank auszuſprechen.

Bei ſeiner Arbeit hatte er ſich als erſtrebenswertes Ziel ge⸗ dacht, bei möglichſter Treue doch vor allem eine in flüſſiger und dichteriſch gehobener, des griechiſchen Werkes nicht unwürdiger Sprache geſchriebene Übertragung zu liefern, die auch dem nicht mit der griechiſchen Sprache bekannten Leſer eine angenehme und erhebende Lektüre abgeben ſollte. Eine ſolche Arbeit ſchien ihm nicht überflüſſig zu ſein, weil er, ganz abgeſehen von der perſön⸗ lichen Befriedigung, die er darin fand, glaubte, doch auch dem Intereſſe anderer damit entgegenzukommen, für die der Hippolytos als eine Art Muſterſtück der dramatiſchen Kunſt des Euripides gelten kann und als die Quelle der Racineſchen, von Schiller überſetzten Phädra noch eine beſondere literariſche Bedeutung haben muß. Zwar gibt es ſchon mehrere Überſetzungen des Stückes; aber dieſe werden wohl ſchwerlich einen Leſer befriedigen, den gelehrten Sprachforſcher nicht und noch weniger den ungelehrten Literatur⸗ freund. Eine beſondere Stellung nimmt die von Wilamowitz⸗ Möllendorff angefertigte Überſetzung ein, die als vortrefflich bezeichnet werden muß, die aber bei allen ihren Vorzügen durch⸗ gängig etwas Herbes hat, nicht frei iſt von Schärfen und Härten