Aufsatz 
Eine Fuldaische Chronik aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts / von Gangolf Hartung. Hrsg. von J. Gegenbaur
Entstehung
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allhier recht vor den Altar der hl. fünf Wunden, nächſt dem Schöpfenſtuhle zur Erde beſtattet worden. Iſt die Sodalität B. M. V. und St. Annae mit zum Grab gegangen wie auch Patres Franciscani. Gott gebe ihm eine fröhliche Auferſtehung. Wir entnehmen daraus, daß Gangolf Hartung 1597 geboren wurde; aus den hier und da in der Chronik zerſtreuten perſönlichen Notizen erhalten wir dann die weiteren Nachrichten. Hartung ſtand zuerſt in Dienſten des Junkers Jörg Burchard von Boyneburg, ſodann war er Gewerbtreibender in der Stadt, indem er im Jahre 1628 zum erſtenmale Branntwein brannte. Im Jahre darauf kam er in das Schloß bei Ihro F. Gn. Johann Bernhard Schenk, Abten zu Fulda: 1631 zog er aus dem Schloß inder Hof⸗ wäſcherin ihr Haus, weil ſeine Frau die Hofwäſche bekommen hatte. 1632 wurde er von dem Kaſſler Statt⸗ halter nebſt ſämmtlichen Hoſdienern entlaßen, zugleich aber allen, gleichſam um ihnen den Abſchied zu verſüßen, ein Eimer Wein zum beßten gegeben, den ſie dannauch luſtig mit einander ausgetrunken haben. Auch die Frau Hartung Eva, eine geborne Staub, mit welcher er ſich 1628 verheiratet hatte, mußte ihre Stelle als Hof⸗ wäſcherin aufgeben und das Weißzeug an den neuen Statthalter abliefern. Zwei Jahre darauf zogen ſie jedoch wieder in ihre Wohnung ein, die Frau erhielt die Hofwäſche wieder und Gangolf wurde von S. F. G.zu einem Silberdiener angenommen. Später wurde erFuldaiſcher Futterſchreiber und ſcheint in guten Vermö⸗ gensverhältnißen gelebt zu haben, indem er nach und nach mehrere Häuſer in der Stadt ankaufte. Im Jahre 1651 wurde er allhier auf das Nathaus gefordert und haben ihn die Herrn zu einem Schöpfen erkoren und gemacht. Wiewohl er nach ſeiner eignen Bemerkung ſich ungern zu dem neuen Amte hergab,ſo hats doch nichts davor geholfen, er wurde mit einem andern Schöpfen, Bonifacius Keller am 16. December in ſein Amt eingeführt und gab mit demſelben den üblichen Schmaus, wobei nach der vorhandenen Rechnung 25 Mas Wein, das Mas zu 14 Böhmiſch*) getrunken wurde, außerdem gingen auf 22 Böhmiſch für Weck und Brot, 2 ½ Fl. 7 Böhmiſch für 3 Gericht Fiſche, 3 Böhmiſch für 2 Pfund Lichter und 8 Böhmiſch für 1 Pfund holländiſchen Käße. Außerdem mußte noch jeder neue Schöpfe 10 Fl. 20 Böhmiſch alsbald baar zahlen. Daraus erklärt ſich, warum ein ſparſamer Mann wie Hartung ſich ſträubte, Schöpfe der Stadt zu werden. Die Zeit, wann er zum regierenden Bürgermeiſter, deren es damals 4 gab, ernannt wurde, iſt nicht angegeben. Seine erſte Frau ſtarb 1635. In zweiter Ehe lebte er ſeit 1637 mit Anna Katharina Hergenröder; aus beiden Ehen hatte er 12 Kinder, von denen jedoch mehrere ſchon früh geſtorben waren.

Das Format der Chronik iſt Quart, der Inhalt iſt auf Papier geſchrieben, das Ganze iſt in Schweins⸗ leder gebunden, mit Riemen zum Zubinden verſehen; der Einband iſt ſehr vergilbt, am Rüͤcken theilweiſe zerrißen, während die Blätter des Innern mit Ausnahme einiger theilweiſe abgerißenen Seiten gut erhalten ſind, obgleich das Papier ebenfalls ſtark vergilbt erſcheint.

*) 44 Böhmiſch machten einen Gulden.

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