Aufsatz 
Eine Fuldaische Chronik aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts / von Gangolf Hartung. Hrsg. von J. Gegenbaur
Entstehung
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dieſe kommen deshalb ebenſo wenig wie der zweite Abſchnitt, welcher eine ganze Reihe von Vorſchriften, wie man verſchiedene Salben und ſonſtige Medicamente bereiten und ſich vor Zauberei hüten ſoll, enthält, hier für unſern Zweck in Betracht. Dasſelbe gilt von dem vierten Abſchnitt, der ein Familienbuch iſt und die wichtigſten Nach⸗ richten über die Ereigniße in der Familie des Verfaßers, über Geburten, Taufen, Gevatterſtehn, Heiraten und Todesfälle enthält. Für unſern Zweck kommt lediglich der dritte Theil in Betracht, welcher die eigentliche Chronik enthält, d. i. die Aufzeichnung der wichtigſten Ereigniße im Stift Fulda, welche der Verfaßer als Augenzeuge mit⸗ geſehen und erlebt hat. Die Chronik geht vom Jahre 1607 bis zum Jahre 1666, umfaßt alſo die Regierungszeit der Aebte Johann Friedrich von Schwalbach(1306 1322), Johann Bernhard Schenk von Schweinsberg(1623 1632) Johann Adolf von Hoheneck(1633 1635), Hermann Georg von Neuhoff(1635 1644), Joachim Graf von Gravenegg(1644 1671) und das für die deutſche Geſchichte ſo bedeutungsvolle Zeitalter des dreißigjährigen Krieges. In einfacher nackter Darſtellung der Ereigniße liefert uns der Verfaßer dennoch ein ganz anſchauliches Bild von den Verhältnißen und Drangſalen, welche die Abtei Fulda in dieſer Zeit zu erdulden hatte; wir hören von faſt allen wichtigen hiſtoriſchen Perſonen, von Kriegs⸗ und Staatsmännern, von Heeren und Heerestheilen jener Zeit, die durch Fulda kamen und daſelbſt Quartier nahmen; außerdem dürften einzelne Nachrichten über Kirchen und Bauten und ſonſtige mehr dem Kreis der Localgeſchichte zuge⸗ hörige Aufzeichnungen dem Freunde der vaterländiſchen Geſchichte nicht unwillkommen ſein. Der Abdruck der Urkunde iſt möglichſt getreu nach dem Originale, weggeblieben und gekürzt ſind nur ſolche Nachrichten, die theilweiſe ganz perſönlicher Natur waren oder Wiederholungen enthielten, oder ganz gleichgültigen Inhaltes waren. Am wich⸗ tigſten ſind die Nachrichten aus den Jahren 1630 1635, einem Zeitraume, innerhalb welchem bekanntlich der Kanzler Oxenſtierna als Bevollmächtigter der Krone Schweden die Abtei Fulda an die Commiſſarien des Land⸗ grafen Wilhelm übergeben hatte. Vom Jahre 1637 1643 iſt auffallender Weiſe die Chronik unterbrochen und zwar ſo, daß nicht etwa die Darſtellung der dazwiſchen liegenden Ereigniße vielleicht verloren gegangen wäre, ſondern die Chronik geht ohne Unterbrechung und ſelbſt ohne irgend einen Abſatz unmittelbar vom 12. März 1637 auf den 15. Januar 1643 über. Es fällt dieſe Periode in die Zeit, wo der Verfaßer ſich zum zweiten⸗ male vermählt hatte. Auch für die folgenden Jahre finden ſich nur ſpärliche Notizen und da ſie größtentheils mehr die Familienverhältniße des Verfaßers wie öffentliche Angelegenheiten berühren, ſo werden dieſelben beim Abdrucke übergangen. Mit dem Jahre 1648 ſpringt ſodann wieder die Chronik auf das Jahr 1664 über, wo ſich nur noch zwei Nachrichten über Naturerſcheinungen finden. Die letzte Nachricht iſt vom Jahre 1666, worin der Chroniſt meldet, daß ein Dachdeckermeiſter den Pfarrthurm erſtiegen, auf dem Knopfe geſeßen, ein Paar Strümpfe ſich angezogen, ein halb Maß Wein ausgetrunken und dann die Kanne herunter geworfen habe.

Ueber die perſönlichen Verhältniße des Chroniſten gibt uns in einem Nachtrag im Familienbuch ein Sohn desſelben Aufſchluß; dieſelbe lautet:Anno 1667 Donnerſtag den 4. Auguſt Morgens zwiſchen 6 und 7 Uhr iſt mein Vater ſel., Gangolf Hartung, Fürſtlich Fuldaiſcher Futterſchreiber und Rathsverwandter, auch zur Zeit regierender Bürgermeiſter, ſeines Alters 70 Jahr, in Gott ſelig entſchlafen und den 6. Auguſt in die Pfarrkirche