Aufsatz 
Beitrag zur Geschichte des landesherrlichen Kirchenregiments in den evangelischen Gemeinden zu Frankfurt am Main / Ernst Trommershausen
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zunächst den hohen staatlichen und städtischen Behörden für das ehrenvolle Vertrauen, das ihm mit der Berufung in sein neues Amt entgegengebracht sei. Er legte das Gelöbnis ab, daſs sein ganzes Bestreben darauf gerichtet sein werde, sich dieses Vertrauens würdig zu zeigen und das Lessing-Gymnasium in demselben Geiste weiterzuführen, der seit langer Zeit an dem Städtischen Gymnasium gepflegt worden sei. Daſs es ihm an der freudigen und verständnisvollen Mitarbeit seiner Herrn Amtsgenossen nicht fehlen werde, dürfe er aus der gemeinsamen Thätigkeit während der vergangenen Jahre schliefsen, die von der gleichen Auffassung der Aufgaben und Ziele und von wahrhaft freundschaftlicher Gesinnung getragen gewesen sei. Auch von seiten der Schüler glaube er ein williges und eifriges Ent- gegenkommen erwarten zu sollen. Möge Gott ihm die Einsicht und die Kraft verleihen, seines Amtes stets in der rechten Weise zu walten.

An der Einweihungsfeier des Goethe-Gymnasiums, die an dem gleichen Vormittage in der Aula dieser Anstalt stattfand, nahm das gesamte Lehrerkollegium des Lessing- Gymnasiums teil. Abends gelangte, ebenfalls in der Aula, Aeschylos Agamemnon in der Ubersetzung von v. Wilamowitz-Möllendorf und mit der Musik von Romberg(Direktor Dr. Schultz in Charlottenburg) zur Aufführung, wobei auch eine gröſsere Zahl von Schülern des Lessing-Gymnasiums mitwirkte. Die groſsartige Dichtung machte ersichtlich einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. Die Darsteller, denen durch die Güte des Herrn Hermann die einsichtigste und sorgfältigste Anleitung und Unterweisung zu teil geworden war, ernteten für die angemessene Durchführung ihrer schwierigen Aufgaben reichen Beifall. Auch die Chöre, deren Einübung Herr Schmidt übernommen hatte, wurden mit gutem Gelingen zum Vortrag gebracht und übten mit ihrem Gedankenreichtum und ihrer erha- benen Sprache eine mächtige Wirkung aus. Die Aufführung mufste am nächsten Abend wiederholt werden. Samstag den 9. Januar vereinigte darauf ein geselliges Zusammensein in den Räumen des Zoologischen Gartens die Schüler der oberen Klassen beider Gymnasien mit ihren Angehörigen und Lehrern, an dem auch Herr Bürgermeister Dr. Heussenstamm und Herr Stadtrat Grimm zu unserer groſsen Freude teilnahmen.

Nach der Ubersiedlung der Abteilung l in den Neubau an der Bahnstraſse hat die Abteilung II, das Lessing-Gymnasium, den gröſseren Teil der Räumlichkeiten, die bis dahin den beiden Abteilungen des Städtischen Gymnasiums dienten, allein in Benutzung genommen. Nur der zweite Stock des Seitengebäudes ist der Gewerblichen Fortbildungsschule über- wiesen worden. Ob diese Mitbenutzung seitens einer anderen Schule Unzuträglichkeiten im Gefolge haben wird, muſs die Zukunft lehren. Im übrigen dürfte für die nächste Zeit den Bedürfnissen des Lessing-Gymnasiums einigermaſsen genügt sein. Allerdings müssen wir noch immer den Mangel einer Aula beklagen. Ist uns auch für die Schulfestlichkeiten der Saalbau durch das dankenswerte Entgegenkommen der städtischen Behörden zur Ver- fügung gestellt, so fehlt doch jede Möxglichkeit, die Schüler öfters zu versammeln und so das Gefühl der Gemeinsamkeit in ihnen zu wecken und zu pflegen, das von nicht ge- ringem erziehlichen Werte ist. Von den vorhandenen Räumlichkeiten erscheint insbesondere die Turnhalle unzureichend, sowohl hinsichtlich ihrer Gröſsenverhältnisse, als namentlich auch deshalb, weil es an den unentbehrlichen Nebenräumen für die Aufbewahrung der Turngeraâtschaften, Turnschuhe u. s. w. fehlt. Diesem Miſsstande gegenüber haben die

städtischen Behörden bereits im vorigen Jahre, einer Anregung des Königlichen Provinzial- 12