Aufsatz 
Beitrag zur Geschichte des landesherrlichen Kirchenregiments in den evangelischen Gemeinden zu Frankfurt am Main / Ernst Trommershausen
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Kirchliche Vereinsthätig- keit.

Seelenzahl der evangelischen Gemeinden.

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der kirchlichen Verhältnisse Frankfurts ebenfalls ihrer Bedeutung nicht mehr entsprechen. Auch die pietätvolle Treue gegenüber dem Erbe der Väter, die Liebe zu den ehrwürdigen Ordnungen und Formen der Vergangenheit wird zu einem Unrecht an den Mitlebenden und führt zu einer Unterlassung ernster Pflichten, wenn sie einer gesunden Entfaltung des Gemeindelebens hemmend in den Weg tritt. Daſs die Frankfurter Kirchengemeinden den Bedürfnissen der Gegenwart seit langer Zeit nur ungenügend Rechnung tragen, beweist auch das Emporblühen der zahlreichen Vereine, die sich in Frankfurt zur Förderung kirchlicher Zwecke gebildet haben, sowie die rühmenswerte Opferwilligkeit einzelner Männer. Wir sehen ab von den zahlreichen sektirerischen Bestrebungen in unserer Stadt und erinnern nur an die Thätigkeit des Ev. Vereins für innere Mission, den Kirchbauverein, das Ev. Vereinshaus Westend, Nordost, die Lutherkirche, Christuskirche und Friedenskirche. Die Thätigkeit der Männer und Vereine, welche solche Leistungen aufzuweisen haben, kann nicht hoch genug geschätzt und anerkannt werden; aber trotzdem wird niemand leugnen, daſs durch diese um- fangreiche Privatthätigkeit, welche die besten Kraäfte verbraucht, die organisierten Gemeinden in ihrer Entwicklung nicht unbedeutend gehemmt werden.

Die Seelenzahl der lutherischen Gemeinde und der reformierten Gemeinde läſst sich nicht genau feststellen. Bei der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 wurde auf Wunsch des lutherischen Gemeindevorstandes eine Zusatzfrage gestellt, durch welche die Zugehörigkeit zu den einzelnen Kirchengemeinden, oder doch wenigstens die Abgrenzung der beiden groſsen evangelischen Gruppen schärfer erfaſst, werden sollte. Die Zusatzfrage lautete:Wenn evangelisch: ob zur lutherischen oder zur reformierten Gemeinde, oder zu welcher anderen religiösen Gemeinschaft sich haltend?

Die Tabelle des Statistischen Amtes*), welche 138753 evangelische Christen, 68904 Katholiken, 1782 andere Christen(19488 Juden und 352alle übrigen Bekenntnisse und ohne Angabe) aufweist, zählt: A. Evangelisch-lutherische 123528; B. Reformierte 15225. Diese Zählung ist aber nicht zutreffend, weil die 41940, welche sich alsUnierte bezeichnet haben, ohne Weiteres der lutherischen Gemeinde zugezählt worden sind. Nach der Tabelle des Statistischen Amtes stellt sich die Seelenzahl der lutherischen Gemeinde zu der der reformierten Gemeinden:

A. Evangelisch-Lutherische 123528. B. Reformierte 15225. Davon haben sich bezeichnet als: 7 I Davon haben sich bezeichnet als: 5 ee. Ev.-Lu- Uniert roben 1 8 n Regor. Ey. Deutsch. V Französ.- Altref. [therische'uierte ſtantHLu- eher. u. ohne näh Reform. Reform. Ref. A. (theraner Sonstige Angabe Sonstige Bornheim Bornheim 3 y zus. 7128 4870 V 1854 402 2 zus. 399 148 245 6 Bockenheim Peerannen zus. 12360 6262 5768 327 3 zus. 1555 226 1309 6 4 10 Alt-Frankfurt ½ 5 Alt-Frankfurt incl. Sachsenh. incl. Sachsenh. zus. 104040 54550 V 41940 7427 126 zus. 13271 6547 6094 462 150 18

*)Beiträge zur Statistik der Stadt Frankfurt a. M. Herausgegeben im Auftrag des Magistrats durch das Statistische Amt. Neue Folge. Ergänzungsblatt No. 1. Seite 12 u. 13.