Aufsatz 
Die politische Geschichte der Frankfurter Juden bis zum Jahre 1349 / vom ... I. Kracauer
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tischen Banden zu erwehren. Sie hatte elf Erker an die Stadt- mauer und an den Friedhof der Juden machen lassen¹). Trotzdem drangen die Geißler am 24. Juli in die Stadt ein und stürzten so- gleich in das Judenquartier.

Uber den Verlauf des Kampfes sind wir ausschließlich auf christliche Quellen angewiesen²). Die zeitgenössischen Berichte bringen darüber nichts Näheres, sie melden nur, daß die Juden sich selbst verbrannt hätten*), daß ferner das Dach des Chores der Bartholomäuskirche von den Flammen ergriffen und auch sonst die Kirche stark beschädigt wurde*¹). Wie wir wissen, lag sie ja im Judenquartier.

Je später die Quellen sind, um so ausführlicher werden sie und schmücken die Vorgänge beim Kampfe aus, um so geringer aber wird auch ihre Glaubwürdigkeit. Eine Aufzeichnung aus etwas späterer Zeit, die des Bartholomäusstiftes vom Jahre 14075⁵), weiß schon zu berichten, daß die Juden den Dom) in Brand geschossen hätten, wobei Chor und Kirche ganz und gar abgebrannt wären).

Viel ausführlicher ist ein tendenziöss) gefärbter Bericht, wohl aus der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts, der des Chro- nicon I des Frankfurter Stadtarchivs²). Nach ihm waren die Geißel- brüder bei ihrem Auftreten in Frankfurt darüber entrüstet, daß die Juden im besten Teil der Stadt wohnten, und beschlossen, die Verachtung Gottes, die nach ihrer Auffassung darin lag, mit den Waffen in der Hand zu rächen. Sie stürzten sich nun über die Häuser der Juden her, obgleich die Bürger sie darin hin- dern wollten, und machten alle sich zur Wehr Setzenden nieder.

¹) Rechenbuch 1349 vom 21. Juni fol. 33 a.

2) Im Gegensatz zur ersten Judenschlacht fehlen uns jüdische Quellen über die zweite gänzlich, sie führen nur Frankfurt unter den Orten an, wo 1348 1349 Judenverfolgungen stattgefunden haben, und nennen unter den in Frankfurt Erschlagenenim besonderen den R. Ephraim mit dem Beinamen Gumprecht(s. Salfeld l. c. S. 248, 255, 268, 272, 281).

³) So Albert von Straßburg S. 148 bei Graetz Band VII, S. 341: Insultu quoque in eos facto(in Iudeos) in Franc. post regis recessum et omnes domus suas et sibi vicinas cremaverunt; ferner die Annales Francofurtani bei Froning l. c. S. 2: Iudei Francofur- tenses[(moriebantur]... per ipsorum Iudeorum utrobique ignem. Froning zitiert auch S. 93 Anm. 6 Würdtwein, Nova Subidia XI, 336.

4) Daß Geißlerscharen das Feuer angelegt hätten, wie Kirchner, Gesch. der Stadt Frankfurt S. 438, als sicher, Kriegk, Frankfurter Bürgerzwiste S. 423, als wahrscheinlich annimmt, dafür fehlt jeder Beleg.

) Barthol.-Stift A und U(Städtisch) Nr. 65 bei Froning S. 7.

6) UÜber den Dombrand s. Froning S. XIII, Einleitung.

7)... und der kor und kirche brente zu grunde abe, I. c.

s) Damals beschäftigte die Bürgerschaft die Frage, ob die Juden nicht ein besonderes, von den Christen abgetrenntes Quartier erhalten sollten. Der Verfasser des Chronicon I des Frankfurter Stadtarchivs ist durchaus dafür; er will durch seine Erzählung beweisen, wie gefährlich den Christen das Zusammenwohnen mit Juden werden könne. Siehe Froning l. c. Einleitung XIII.

²) Bei Froning S. 7 und S8.