Aufsatz 
Kants Ansichten über den Religionsunterricht / dargest. und beurtheilt von Gustav Wachenfeld, Gymnasiallehrer
Entstehung
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Pflichten zu bekennen und eine Theilnahme an derselben, die nicht im Herzen ist, zu lügen.³¹¹)

Zu dem Zwecke empfiehlt er die erotematisch-katechetische Methode und gibt ein Bruchstück eines moralischen Katechismus. Zuerst solle man, wie er namentlich auch in der Kritik der praktischen Vernunft zeigt, ³²) bei den Kindern das moralische Urtheil an Beispielen aus dem Leben und aus der Geschichte bilden und dann ihr Gewissen gegen sich selbst schärfen, aber nur nicht Tugendlehre vorhalten und sie so frühzeitig zu Phantasten machen.

In der Kritik der reinen Vernunft schreibt Kant:Das menschliche Gemüth nimmt(so wie ich glaube, dass es bei jedem vernünftigen Wesen nothwendig geschieht) ein natürliches Interesse an der Moralität, ob es gleich nicht ungetheilt und praktisch über- wiegend ist. Befestigt und vergrössert dies Interesse, und ihr werdet die Vernunft sehr gelehrig und selbst aufgeklärter finden, um mit dem praktischen auch das speculative Interesse zu vereinigen. Sorgt ihr aber nicht dafür, dass ihr vorher, wenigstens auf halbem Wege, gute Menschen macht, so werdet ihr auch niemals aus ihnen aufrichtig gläubige Menschen

machen.³¹³) In demselben Werke aber lesen wir:Gott und ein künftiges Leben sind zwei

von der Verbindlichkeit, die uns reine Vernunft auferlegt, nach Prinzipien eben derselben Vernunft nicht zu trennende Voraussetzungen.

Einen solchen(weisen Urheber und Regierer) sammt dem Leben in einer solchen Welt, die wir als eine künftige ansehen müssen, sieht sich die Vernunft genöthigt anzunehmen oder die moralischen Gesetze als leere Hirngespinste anzusehen, weil der nothwendige Erfolg derselben, den dieselbe Vernunft mit ihnen verknüpft, ohne jene Voraussetzung wegfallen müsste. Daher auch Jedermann die moralischen Gesetze als Gebote ansieht, welches sie aber nicht sein könnten, wenn sie nicht a priori angemessene Folgen mit ihrer Regel verknüpften und also Verheissungen und Drohungen bei sich führten. Dieses können sie aber auch nicht thun, wo sie nicht in einem nothwendigen Wesen als dem höchsten Gut liegen, welches eine solche zweckmässige Einheit allein möglich machen kann.

Die Welt muss aus einer Idee entsprungen vorgestellt werden, wenn sie mit demjenigen Vernunftgebrauch, ohne welchen wir uns selbst der Vernunft unwürdig halten würden, nämlich dem moralischen, als welcher durchaus auf dei Idee des höchsten Guts be- ruht, zusammenstimmen soll. ³⁴)

Gleichwohl heisst es nachher wieder:Wenn aber praktische Vernunft nun diesen hohen Punkt erreicht hat, nämlich den Begriff eines eigenen Urwesens, als des höchsten Guts, so darf sie sich gar nicht unterwinden, gleich als hätte sie sich über alle empirische Bedingungen seiner Anwendung erhoben und zur unmittelbaren Kenntniss neuer Gegenstände emporgeschwungen, um von diesem Begriffe auszugehen und die'moralischen Gesetze selbst von ihm abzuleiten. Denn diese waren es eben, deren innere praktische Nothwendigkeit uns zu der Voraussetzung einer selbständigen Ursache oder eines weisen Weltregierers führte,

¹n) A. a. O.,§ 52. 32) A. a. O.,§. 52. Vergl. Kants Kritik der prakt. Vernunft, Methodenlehre.

²²) Kants Kritik der reinen Verunft, Methodenlehre, 3. Abshnitt, Anmerkung. ²⁴) A. a. O., 2. Abschnitt.