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liche Sittenlehre, wie sie namentlich in der Bergpredigt so herrlich dargestellt ist, sowie dem träumerischen und schwärmerischen Mysticismus und Quietismus die Wichtigkeit des sittlichen Lebens entgegenhalten. Nur schob er, hierin gewiss nicht philosophisch, der Kirchenlehre die Fehler ihrer damaligen Anhänger unter. Dadurch verschob sich sein ganzer Standpunkt, so dass sich sein Religionsbegriff mit dem schon in der Kritik der praktischen Vernunft und in der Tugendlehre erörterten Begriffe von Moral decken musste.
II. Kants Ansichten über die methodische Einrichtung des Religionsunterrichtes.
In seiner mehrerwähnten Schrift über die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft gibt Kant zwei mit einander zusammenfallende pädagogische Regeln:
1) Den reinen(moralischen) Religionsglauben vor dem Geschichtsglauben, ²*)
2) die Tugendlehre vor der Gottseligkeitslehre vorzunehmen. ²*)
Hiermit stimmt die Methode überein, welche er in der von Rink herausgegebenen, leider von ihm selbst nicht revidirten Pädagogik für den Religionsunterricht bei Kindern in Haus und Schule empfehlt.
„Zuerst, sagt er, muss man bei dem Kinde von dem Gesetze, das es in sich hat, anfangen. Der Mensch ist sich selbst verachtungswürdig, wenn er lasterhaft ist. Dieses ist in ihm selbst gegründet, und er ist es nicht deswegen erst, weil Gott das Böse verboten hat. Das göttliche Gesetz muss zugleich als Naturgesetz erscheinen; denn es ist nicht willkürlich, daher gehört Religion zur Moralität.“
„Man muss aber, fährt Kant fort, nicht von der Theologie anfangen. Die Religion, die blos auf Theologie gebaut ist, kann niemals etwas Moralisches enthalten. Man wird bei ihr nur Furcht auf der einen und lohnsüchtige Absichten und Gesinnungen auf der anderen Seite haben, und dies gibt dann blos einen abergläubischen Cultus ab. Moralität muss also vorhergehen, die Theologie ihr dann folgen, und das heisst Religion.“
„Man will, heisst es weiter, Gott dienen, wenn man z. B. ihn lobt, seine Macht, seine Weisheit preiset, ohne daran zu denken, wie man die göttlichen Gesetze erfülle, ja ohne einmal seine Macht, Weisheit u. s. w. zu kennen und denselben nachzuspüren. Diese Lobpreisungen sind ein Opiat für das Gewissen solcher Leute und ein Polster, auf dem es ruhig schlafen soll.“
„Kinder können nicht alle Religionsbegriffe fassen, einige aber muss man ihnen demohngeachtet beibringen: nur müssen diese mehr negativ als positiv sein.“
2) A. a. O., 4. Stück,§. 3. 28) A. a. O.


