Aufsatz 
Der allgemeine Unterschied des römischen Lautgesetzes von dem der übrigen Sanscritasprachen : Abhandlung / [Albert Agathon] Benari
Entstehung
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Wie der Stifter unsers Glaubens die kleinliche Sorge für den kunftigen Morgen ver- wirft und uns untersagt, ängstlich zu fragen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? sondern vielmehr auffordert, nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit zu trachten; dann werde uns alles andere von selbst zufallen; so möge jeder Lehrer, jeder Erzieher dem Schüler, so jeder Vater, jede Mutter dem Sohne zurufen, nicht bloss durch das Wort, sondern durch die ganze Einwirkung: Frage nicht, Was soll ich einst werden? Wie kann ich so vieles lernen, als gefordert wird? Wie soll ich die schweren Prüfungen bestehen? Wie wird meine Gesundheit das aushalten? Trachte vielmehr mit aller Kraft nach einem sitt- lich-ernsten geistigen Leben. Lass die jugendliche Regsamkeit nicht durch Trägheit unterdrücken! Sei ganz, was Du jetzt sein sollst, ein Jüngling an Seele und Leib, und du wirst auch ein Mann werden. Dem regsamen Geiste wird das Feld des Wirkens und der Segen des Herrn nicht ausbleiben. Denn dieser thut, was du nicht kannst; sobald du erst gethan hast, was du kannst! Glücklich der Knabe, der früh in diesem Sinne geleitet wird! Glücklich der Jüngling, der mit heiterer Seele in diesem Sinne weiter emporstrebt, der auf der Schule ganz Schüler ist, dem die Entwickelung seines Geistes die höchste Freude gewährt. Schönes Ziel einer Schule, diesen Zustand herbeizuführen! Herrlicher Beruf der Eltern, hierin die Schnle zu unterstützen!

Wahrlich nicht die Einseitigkeit der frühern Schulen hat die Kräfligen Männer hervorgerufen, welche von denen, die solche Schulen vertheidigen, als glän- zende Bestätigungen ihrer Meinung aufgeführt werden. Man prüfe genauer die Bil- dungsgeschichte dieser Männer, und man wird fast bei allen eine strenge Erziehung, einfache Lebensweise, eine treue Anhänglichkeit an Schule und Lehrer finden. Wer die grosse Wirkung dieser Einflüsse verkennt, und was dadurch in dem Gemüthe begründet wird, für die Folgen des damals üblichen einseitigen und, wie bekannt, oft sehr mangelhaften Unterrichts ansieht*), täuscht sich gewiss eben so sehr, wie derjenige, der von demselben Standpunkt aus unsern Gelehrten als Schwäche anrech- net, dass sie nicht viele und dicke Folianten schreiben, wobei üubersehen wird, dass der jetzige kritisch-sichtende Geist der Wissenschaft vorzugsweise dahin strebt, in die grosse Menge der geförderten Kenntnisse Licht und Ordnung zu bringen, dass es das Wesen und der Vorzug unsers Zeitalters ist, die Einheit in der Mannigfaltigkeit zu erkennen und dass daher die schriftlich niedergelegten Resultate solcher Forschungen durch ihren äusseren Umfang an Bogen und Bänden nicht einen Maassstab für die Geistesthätigkeit ihres Urhebers abgeben können.

Wenn die vorstehenden Worte neben der Darlegung des Verhältnisses unserer Anstalt zu den ofterwähnten Anklagen gegen das Schulwesen überhanpt mehr oder

*) Anm. A a. 0. pag. 3. A.