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Eine solche Disharmonie stellt sich aber leicht ein; selbst wenn die Eltern mit der Schule ihrer eigenen Ueberzengung nach übereinzustimmen glauben. Von den allergefährlichsten Verstössen in dieser Beziehung, welche sich durch ein Kritisiren der Schule und Lehrer in Gegenwart der Zöglinge oder durch ein Be- schönigen der von den letzteren begangenen Fehler zu erkennen geben, halten sich wohl die meisten Eltern entfernt; viele verkennen aber den eigentlichen wahren Standpunkt des Schülers in sittlicher und intellectueller Hinsicht und, indem sie ihm im Familienkreise eine über seine Jahre hinausgehende Stellung einräumen oder seinen Geist auf Unterhaltungen lenken, denen derselbe noch nicht gewachsen ist, wirken sie der Schule entgegen, welche den Schüler nicht als mündig und selbst- ständig betrachten kann, vielmehr von demselben die unbefangenste Unterordnung mit kindlicher Pietät als Hauptbedingung zum Gedeihen ihrer Wirksamkeit erhei- schen muss. Viele ziehen ihre Kinder in alle Vergnüůgungen, welche das gesel- lige Leben darbietet, und reissen sie dadurch gewaltsam aus der stillen einfachen Lebensweise, welche zum ruhigen Fortschreiten der geistigen Ausbildung erforder- lich ist. Gewiss räumt jeder ein, dass für die Schule ein Jüngling verloren ist, dem Tanzgesellschaften, Schauspiele, Romane zum Bedürfniss geworden sind. Die eigenthumlichen Reize, welche dadurch dem in wissenschaftlicher Erkenntniss noch nicht befestigten Sinne dargeboten sind und deren Genuss eben nicht durch beharr- liche Anstrengung erkauft werden muss, überwiegen für ihn bald die Liebe zu den Wissenschaften, welche überhaupt erst der schöne Lohn für die beharrliche Ueber- windung der ersten Schwierigkeiten ist.
Wie allgemein aber auch die Schädlichleit solcher Zerstreuungen nicht bloss in moralischer sondern auch in physischer Hinsicht zugestanden wird; so ist doch oft in der häuslichen Erziehung nicht genug für das unvermerkte Einschleichen dieses Uebels gesorgt. Auch verlangt das richtige Verfahren in diesem Punkte bei der häuslichen Erziehung einen besonderen Takt: da es einerseits offenbar als Pedante- rei erscheint, den Knaben gänzlich von Dingen zurückzuhalten, die doch auch als Bildungsmittel anerkannt werden, andrerseits ein zu reichliches Gestatten derselben „ffenbar jene verderbliche Zerstreutheit herbeiführt. Wie sehr bedarf es hier des umsichtigen Blickes für den haäuslichen Erzieher? Wie wenig kann hier die Schule leisten? Wie schwer wieder gut machen, was zu Hause versehen ist?
Aber wenn auch in diesem Punkte die häuslichen Erzieher das gehörige Maass treffen; wenn sie die bildenden Vergnügungen den bildenden Anstrengungen richtig unterordnen; so rufen sie dennoch oft jene Disharmonie mit der Schule her- vor, indem sie recht eigentlich für die Bildung ihrer Zöglinge zu sorgen scheinen. Dieser Fall tritt zundchst ein, wenn ein besonderes Talent für irgend eine Kunst sich frühzeitig in dem Knaben offenbart und diesem nachgesehen wird, dass er uber der Pflege desselben die sonst seinem Alter entsprechenden Schulstudien


