Aufsatz 
Der allgemeine Unterschied des römischen Lautgesetzes von dem der übrigen Sanscritasprachen : Abhandlung / [Albert Agathon] Benari
Entstehung
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Jer entgegengesetzten Ansicht zu kommen. Auch giebt es gewisse Eigenthüm- lichkeiten, welche das Volk dem Munde überlässt, ohne sie der Schrift anzuver- trauen, entweder um die grammatischen Unterschiede nicht zu verwischen, oder aus Bequemlichkeit. Nicht alle Völker haben die Sorgsamkeit jede Modiſication der Aus- sprache in der Schrift aufzufassen, wie die Inder; diese aber thaten es auch schwerlich früher als ibre Sprache ihnen schon Object der Forschung geworden, vielleicht erst als sie schon völlig aus dem Munde des Volkes verschwunden war. Die Griechen hingegen haben sicher einige wichtige Wohllautsregeln im Auslaute beobachtet, die sie in der Shhrift unbezeichnet liessen, z. B. muss man» KÖo, 78 Gι⁴ι mαπαόαάά τσα gesprochen haben, wie Inschriften dieses noch bestätigen. Nun ist uns zwar das graphische System Hauptquelle der Erkenntniss des Phonetischen, allein dem Grammatiker, der es mit dem letzten ausschliesslich zu thun hat, darf es nicht die einzige blei- ben; er suche namentlich auf etymologischem Wege manchem Uaterschiede nach- zuspüren, welchen er in der Schrift nicht aufzuſinden vermag. Fiagerzeige geben hierbei freilich mitunter Inschriften, denn da diese oft aus der Werkslälte des gewöhnlichen Steinmetzes, der sein Ohr bei der Schrift mehr befragte, als die herge- brachte Gewohnheit, hervorgingen, so findet sich in ihnen vielfach der sicherste, Ausdruck des Phonetischen wieder. Wiewohl umgckehrt man sich zu hüten hat abweichende Schreibung immer als ein solches Befolgen phonctischer Verhältnisse zu betrachten; denn viele Inscriptionen zeigen die verderbte Orthographie grammatischer Grübelei, wie des Strebens nach vermeinter Alterthümlichkeit, nach Conscquenz in gleich- geachteten, ihrer Natur nach aber verschiedenen Fällen. Hat man hei uns nicht bige und bihge, und Gott weiss wie sonst noch geschrichen? Ich bemeerke diess aber um desshalb, damit, wenn bei der folgenden Darstellung milanter etwa das Zeugniss mancher Inscription oder manches Grammatikers nicht beachtet erscheine, man diess nicht der Unkenntniss derselben, sie liegen vor mir zum steten Ge- hrauch wo es nöthig scheint zuschreiben möge, sondern dem guten Willen sie da, wo sie nichis Factisches, der Sprache Inhaerircades bieten, bei Seite zu lassen*).

Vir haben oben von der Natur des e als Vocals geredet; wir haben in der Entgegensetzung des kurzen gegen den langen, d. h. in der alleinigen Bezie- hueg des Quantitativen, den Abfall vom diphthongischen Wesen gefunden. Und diess muss uns nothwendig auf die Frage führen, ob in dem e, d. h. in den Lauten Jie das Römische mit dicsem Zeichen ausdrückt, sich nicht eine Spur der alten diphthongischen Natur wiederfinde. Diess leitet uns aber zugleich in die Unter- suchung der beiden Diphthonge ae, ai ein, als welche aus gleichen Eelementen her-

*) Ich muss überhaupt bemerken, dass ich Kenntniss dos Materiales namentlich dessen was Schneider giebt voraussetze. Aus ihm und den Indieibus etwa bei Gruter liesse, wenn es. sich der Mühe lohnte, sich leicht die wvohlfeile Gelehrsamkeit der Wiederkäuer herausstellen.