Aufsatz 
Der allgemeine Unterschied des römischen Lautgesetzes von dem der übrigen Sanscritasprachen : Abhandlung / [Albert Agathon] Benari
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

4 zu schwächen, sondern beide Theile, wodurch ein Reichthum der Bildungen entsteht, der oft das ursprüngliche Element in den verschiedenen Abänderungen ganz dunkel lässt; vorzüglich da sich oft noch dialectischer Wechsel eindrängt.

Neben und ò hat das Sanskr. ai und au, die offenbar dieselben Fle- mente enthalten; es muss also in der Art und Weise der Zusammensetzung ein Unterschied begründet liegen. In der Quantität-der einzelnen Bestandtheile, wie Bopp in der vergleichenden Grammatik§ 2 annimmt, ist dieser nach dem oben Ausgesprochenen nicht zu suchen; worin also? Die Sanskritgrammatiker haben, wie gewöhnlich, das häufigst vorkommende als das alleinig begriindende hingestellt, ihnen entsteht ai und au nur durch die Verbindung von festem Elemente mit Diphthon- gen 4= ai,+ 6= au. Ware nun dies letztere allein der Fall, so wäre das Goth. ai und au nur seinem Laute, aber nie seiner Entstehung nach, dem Sanskrit ai und au verwandt, was indess, wenn auch selten, vorkommt, wie denn Goth, ahtau dem Sanskr. as tau entspricht. Unter Bopps Annahme hingegen, dass sich die Laute di und au und aus à+ i oder à+, u entwickelen, würde man die Goth. ai und au entweder phonetisch è und ö klingen lassen missen, was nicht wohl angeht, oder es dürfte ai und au grammatisch nicht dem Sanskr. à und 6 entspre- chen,(die auch aus à+ i, à Tu entstehen,) was doch wiederum das gewöhnliche ist.

Aber ich habe schon früher in den Jahrb. f. W. Kritik gezeigt, dass vor- nehmlich das erste Princip, welches H. Lassen in Schutz nahm, ein einseitiges sei, und dargethan, dass es selbst für das Sanskr. nicht passe. Denn abgeschen von Bopps scharfsinniger und mir unbezweifelter Wriddhitheorie, die angefochten werden könnte, steht doch die Verschmelzung des einfachen Augmentes ä mit folgenden flüssigen Vocal zu ai und au ausser allem Streite. Ich habe damals die Nachdrücklichkeit des ersten Theiles vorzüglich Hermann de em. rat. p. 52. 53. folgend, als die Ur⸗- sache betrachtet, wodurch es zuweilen geschehe, dass a i in den einfachen Diph- thongen,(in welchen beide Theile gleich klingen oder vielmehr selbstständig gar nicht mehr klingen,) überzugehen verhindert würden. Diess ist vom Standpunkte des Sanskrits, um das es sich damals allein handelte, auch ganz richtig, nichts desto weniger aber einseitig, und für das Goth. wo sich ai ebensowohl als Stärkung des einfachen i+ h wie als Schwächung des langen a(a a) zeigt, ohne gehörige Erklärung. Vielmehr ist es ganz gleichgültig, welcher der beiden Theile der nachdrückliche sei, denn immer wird, welcher von ihnen auch den Nachdruck habe, er selbst im Zusammensprechen mit dem anderen seinen eigenthümlichen Laut bewahren wollen, und so bewirken, dass der andere sich nicht gänzlich mit ihm zu einem einfachen Laute verschmelzen kann. Es ist also ai und au gegen é und ô gehalten, so unter- schieden, dass der Laut des letzteren gegen den ursprünglichen Laut des Elementes ganz gleichgültig geworden ist, während die ersteren zwar auch nur einen Laut bewirken, in