Tabelle 4. Berufe der Eltern.
aä) der Seminariſten in Alzey, Bensheim;. 1 u. Friedberg von 1902- 1926 b) Seminar für Volksſchullehrerinnen
1. Land⸗ 2 Hw. u. 4. Land⸗ wirte Geſchftsl. wirte
39,5% 35,2% 14,8% 10,5% 39,8% 37,6% 13,6 9%
3. Beamte 4. Lehrer
2. Hw. u. 1. Beamte Geſchftsl 3. Lehrer
Für Lehrer und Geſchäftsleute iſt der Prozentſatz in a. und b. faſt gleich, dagegen zeigen Landwirte und Beamte einen ſcharfen Gegenſatz:
Von allgemeinem Intereſſe dürfte auch die folgende Tabelle 5 ſein. Von 1817— 1901 waren im Friedberger Seminar:
Söhne von 1817—67 1868— 72 1873 1880 1890 1895 1900 1. Landwirten 34,8% 40,5% 34,5% 54% 43,3% 44,4% 48,6% 2. Lehrern 35,7% 28,5% 48,5% 16% 14,4% 12% 12,2% 3. Handwerkern u. Geſchäftsleuten 21,5% 23,7% 11,4% 20% 22,1% 32,4% 32,7% 4. Veamten 8% 7,3%] 5,6% 10% 20,2% 11,2% 6,5%
Die vorſtehende Tabelle 5 zeigt, daß der Lehrerſtand in den ſoge⸗ nannten werktätigen Kreiſen verankert iſt, ſich alſo aus den Kreiſen re⸗ krutiert, die ſelbſt ihre Ausbildung in der Volksſchule genoſſen haben. Das iſt für die Einſtellung zum Beruf von hohem Wert, da dieſen Lehrern die Umwelt und Ideenwelt, die Freuden, Leiden und Nöte derer bekannt ſind, die ſie zu unterweiſen und zu erziehen haben. Die Tabelle ſpiegelt anderſeits— wir haben beſonders typiſche Jahre gewählt— die allgemeine wirtſchaftliche Lage Deutſchlands und die der beteiligten Be⸗ rufskreiſe im beſonderen wieder. 3
Die wirtſchaftliche Kriſe nach 1870, die ſogenannte Gründerzeit, bringt ein ſtarkes Anſchwellen der aus Lehrerkreiſen ſtammenden Zög⸗ linge, da wohl viele Lehrersſöhne, die unter günſtigeren Wirtſchafts⸗ verhältniſſen dem Kaufmannsberuf ſich gewidmet hätten, den damals ausſichtsreicheren Lehrerberuf ergriffen. Die Beſſerung der wirtſchaft⸗ lichen Verhältniſſe, vor allem die Gehaltsaufbeſſerungen der Lehrer machen ſich auch in der geringeren Beteiligung des Lehrerſtandes an dem Erſatz für dieſen Beruf geltend. Daß bei der Berufswahl der Lehrers⸗ ſöhne und Lehrerstöchter auch noch andere innere und äußere Gründe (Begabung, Kinderzahl, Schwierigkeit der Ausbildung, Geſundheits⸗ zuſtand, Weltanſchauung, beſondere Neigung u. a.) ausſchlaggebend ſein können, verſteht ſich ganz von ſelbſt.
Die Frage, aus welchen Lebenslagen wohl am beſten, der Erſatz des Lehrerſtandes genommen werden ſolle, hat bekanntlich die bedeutendſten Pädagogen ſeit faſt 2 Jahrhunderten beſchäftigt. Peſtalozzi und mit ihm viele andere waren der Anſicht, daß ſich die Waiſenkinder beſonders gut dazu eignen, da das eigene harte Geſchick ſie beſonders auf⸗ opferungsfähig und liebeſpendend auch fremden Kindern gegenüber mache. Das mag für viele Waiſenkinder zutreffend ſein; allein bei ſehr vielen macht man gerade die entgegengeſetzte Erfahrung. Die harte Erziehung in vielen Waiſenhäuſern macht ſie hart und unempfindlich gegen fremde Nöte und auch gegen Kinder. Das ſind unſere Erfahrungen, die ſich mit denen vieler anderer decken. Wir ſind darum der Anſicht, daß das
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