Aufsatz 
Geschichte des Seminars für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt : (1902-1926) / [Verf. Oberstudiendirektor Dr. Jacobi]
Entstehung
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ziehung ſchönen Veranſtaltungen zu den angenehmſten Erinnerungen des Schullebens zählen.

Einen höchſt wichtigen Markſtein in der Entwicklungsgeſchichte der heſſiſchen Seminare bildet das Jahr 1912, da von dieſem Jahre ab die Ausbildungszeit von 5 auf 6 Jahre verlängert wurde. Neben anderen weniger tief einſchneidenden Neuerungen wurde durch den neuen Lehr⸗ plan das Franzöſiſche zum Pflichtfach erhoben, für uns allerdings keine Neuerung mehr. Außerdem wurden von da ab die Vorſeminare mit den Lehrerſeminaren zu einer organiſchen Einheit verſchmolzen.

Eine weſentliche Vermehrung von Stunden erfuhren die Anterrichts⸗ übungen, die ſich in der erſten Klaſſe auf 910 Stunden erhöhten. Da⸗ durch vermehrte ſich natürlich auch die zur Vorbereitung für die Unter⸗ richtsübungen aufzuwendende Zeit ganz beträchtlich.

Da die eigentliche Ausbildung in den Wiſſenſchaften mit Ausnahme von Pädagogik mit der zweiten Klaſſe ihren Abſchluß findet, ſo entſchied ſich die Regierung, unter Berückſichtigung und auf Grund der eingeliefer⸗ ten Gutachten ſämtlicher heſſiſcher Seminare, für die Abhaltung der Abſchlußprüfuung in den verſchiedenen wiſſenſchaftlichen Gegenſtänden am Ende der zweiten Klaſſe, ſo daß das letzte Seminarjahr mit Recht als pädagogiſches, als Pjahr bezeichnet werden kann. Dieſe Befreiung der erſten Klaſſe von dem Alpdruck des Examens in den Wiſſenſchaften erhöhte ganz bedeutend die Lernfreudigkeit und das Intereſſe für die Gegenſtände des letzten Jahres, denen man ſich mit mehr Muße zuwenden konnte.

Die Befürchtung mancher Seminarlehrer, nach Abſolvierung der Prüfung in den Wiſſenſchaften werde das Intereſſe für dieſe Lehrſtoffe erlahmen, hat ſich nach unſerer Erfahrung erfreulicherweiſe als völlig unbegründet erwieſen. Es hat ſich im Gegenteil in manchen Fächern, wie z. B. im Deutſchen, ein erhöhtes Intereſſe eingeſtellt, da von nun ab hier weit mehr als früher der perſönlichen Geſchmacksrichtung der einzelnen Rechnung getragen werden kann. Wie ſehr das Intereſſe in einzelnen Klaſſen durch dieſe Einrichtung geſtiegen iſt, beweiſt wohl am beſten die Tatſache, daß einzelne Klaſſen dringend um Zuſatzſtunden im Deutſchen baten, um für die gemeinſame Lektüre mehr Zeit zu gewinnen. Daß außerdem noch Privatleſezirkel eingerichtet wurden, verſteht ſich eigentlich von ſelbſt.

Auf Grund einer langjährigen Erfahrung erhebt der Freiherr vom Stein in ſeinem politiſchen Teſtament aus dem Jahre 1808 gegen die preußiſche Verwaltung den Vorwurf, daß die Verfügungen vom grünen Tiſch rückſtändig und lebensfremd ſeien, weil die Regierungsvertreter mit dem praktiſchen Leben zu wenig Fühlung nehmen. Die gleiche Anklage gegen die Schule erhebt am Ende des 19. Jahrhunderts W. Münch, den wir ſchon einmal weiter oben zu Worte kommen ließen. Er ſpricht damit nur das in etwas gar draſtiſcher Weiſe aus, was vom alten Seneca bis in die allerneueſte Zeit neben den wirtſchaftlichen Kreiſen faſt alle namhaften Pädagogen wie Comenius, Francke, Peſtalozzi, Dieſterweg, Kerſchenſteiner und andere Schulreformer der Schule zum Vorwurf machen. Dieſe Tatſache ſollte alle beteiligten Faktoren: Schul⸗ behörden und Lehrer nachdenklich machen und ſie veranlaſſen, ſich ernſt⸗ lich zu bemühen, den Forderungen der beteiligten Gemeinſchaften zu entſprechen. Inwieweit jedoch und ob überhaupt die Schule bei der Vielgeſtaltigkeit des modernen wirtſchaftlichen und ſozialen Lebens und der großen Verſchiedenheit der Intereſſengemeinſchaften den Forderungen aller Kreiſe zu genügen vermag, wird von nicht wenigen Pädagogen mit

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