Aufsatz 
Geschichte des Seminars für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt : (1902-1926) / [Verf. Oberstudiendirektor Dr. Jacobi]
Entstehung
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ſeminars durch den Großherzog eine Umtaufe der Anſtalt vollzogen werden.

Der einfache Name Lehrerinnenſeminar, der von uns vorgeſchlagen worden war, wurde von der Schulabteilung abgelehnt, weil manunlieb⸗ ſame Verwechslungen mit dem Seminar der Hochſtraße befürchtete. Um aber das neunſilbige Wortungeheuer Volksſchullehrerinnenſeminar mit ſeinen 28 Buchſtaben zu vermeiden, ſchlugen wir als Namen der neuen Anſtalt Seminar für Volksſchullehrerinnen vor, was auch die Billigung und Genehmigung der Schulabteilung fand. Nach der endgültigen Namengebung waren auch bald die Lehrer und Lehrerinnen der Anſtalt ernannt. Außer dem Direktor, der zunächſt Pädagogik, Deutſch und Ge⸗ ſchichte erteilte, waren es Lehrer Hofmann von der Knabennmittelſchule hier für Mathematik und Naturwiſſenſchaften, Fräulein Welſch von der höheren Bürgerſchule zu Alzey für Franzöſiſch, Deutſch und Ge⸗ ſchichte, die beiden Pfarrer der Beſſunger evangeliſchen Kirchengemeinde Walz und Rückert für evangeliſche Religion, Pfarrkurat Gallei für katholiſche Religion, Frau Dr. Walther für Geſang, Fräulein Streb für Klavier, Fräulein Stahl für Violine, Fräulein Becker für Zeichnen, Fräulein Ruths für Turnen und weibliche Handarbeiten.

Zur Aufnahmeprüfung hatten ſich 52 Schülerinnen gemeldet, die alle, einige allerdings auf Probe, aufgenommen wurden, und zwar 17 in die dritte, 8 in die vierte und 27 in die fünfte Klaſſe. Von den 25 Schülerinnen der Klaſſen 3 und 4 kamen 13 aus höheren Mädchen⸗ ſchulen, 12 hatten die Volksſchule beſucht und ſich dann noch kurze Zeit privatim vorbereitet, die 27 Schülerinnen der 5. Klaſſe kamen alle bis auf 5 direkt aus der Volksſchule. Von den 52 Schülerinnen waren 40 evangeliſch, 12 katholiſch; 35 ſtammten aus Starkenburg, 14 aus Rheinheſſen und 3 aus Oberheſſen.

Am 5. Juni, genau ein Vierteljahr nach ihrem Geburtstag, fand die feierliche Eröffnung der Anſtalt ſtatt, zu der die Spitzen der ſtaatlichen, ſtädtiſchen und kirchlichen Behörden, die Direktoren der höheren Lehr⸗ anſtalten, die Leiter der Volksſchulen, die Kreisſchulkommiſſion und die Vertreter der Darmſtädter Zeitungen eingeladen und erſchienen waren. Zu ſeinem lebhaften Bedauern mußte der Herr Staatsminiſter einer ſehr wichtigen Landtagsſitzung wegen der Feier fernbleiben.

Ueber den Verlauf der Feier berichtete eine hieſige Zeitung folgendes: Nach dem Vortrag eines Muſikſtückes auf dem Harmonium durch Herrn Oberlehrer Höcker betrat Herr Miniſterialrat Dr. Eiſenhuth das Rednerpult. Nach der Begrüßung der erſchienenen Gäſte übergab er im Namen des Miniſteriums die Anſtalt ihrer Beſtimmung. Er hob hervor, daß dieſe neue Anſtalt, die erſte ihrer Art im Lande, dazu be⸗ rufen ſei, beſſer als dies ſeither durch private Ausbildung möglich war, auch die Frau in den Stand zu ſetzen, ſich in den Dienſt der Schule zu ſtellen, um der individuellen Ausbildung des weiblichen Geſchlechts noch mehr als ſeither gerecht zu werden. Darmſtadt ſei zum Sitz der Anſtalt gewählt worden, da es durch ſeine verſchiedenartigen Anſtalten (Volks⸗ und Mittelſchulen) am beſten in der Lage ſei, die zukünftigen Lehrerinnen für die Praxis vorzubereiten.

Da nur durch gemeinſames, freudiges Zuſammenwirken aller etwas Erſprießliches erreicht werden kann, ſo ermahnte er die Lehrer und Lehrerinnen zur harmoniſchen Zuſammenarbeit, die Schülerinnen Tber 4 ausdauerndem Fleiß und freudiger Hingabe für ihren zukünftigen

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