durch einen Mann, der ſeine ganze Perſönlichkeit für eine gute Sache eingeſetzt hatte..
Die geſamte Kammer, die Vertreterin des ganzen Landes, hatte ge⸗ ſprochen und damit ihre einmütige Zuſtimmung zur Gründung des Lehrer⸗ innenſeminars gegeben. Es war ſelbſtverſtändlich, daß das Land damit zugleich von allen beteiligten Faktoren: der Regierung, dem Lehrkörper und den Schülerinnen hohe Leiſtungen erwartete. Ob und inwieweit den Erwartungen entſprochen worden iſt, darüber kann von unſerer Seite ſchon aus Gründen des Taktes ein AUrteil weder verlangt noch erwartet werden. Nur ſoviel glauben wir verſichern zu dürfen, daß ſich alle be— teiligten Faktoren redlich bemüht haben, den auf ſie geſetzten Erwar⸗ tungen zu entſprechen. Wie das geſchehen iſt, darüber ſoll die Entwick⸗ lungsgeſchichte der Anſtalt Antwort und Aufſchluß geben.
Zum Leiter der Anſtalt wurde am 2. April mit Wirkung vom 1. Mai der Unterzeichnete ernannt, der ſeit 1896 als Direktor der Realſchule in Alsfeld wirkte. Von unſerer AÄberſiedlung nach Darmſtadt bis zur Er⸗ öffnung der Anſtalt war noch mancherlei zu erledigen, vor allem die Umwandlung des Gebäudes in(ein Schulhaus. Denn in dieſem Hauſe, Hermannſtraße 47, war ſeither die Landesverſicherungsanſtalt untergebracht; die Zimmer waren für Bürozwecke berechnet, als Schul⸗ räume meiſt zu klein. Darum mußten hier Wände entfernt, dort Türen zugemauert, die neuen Näume hergerichtet, der ſchöne Garten zum Spielplatz umgewandelt werden. Von all dieſen Arbeiten war an⸗ fangs Mai kaum etwas begonnen. Da galt es nun, die Arbeitsmeiſter zu beſchleunigtem Arbeitstempo anzuſpornen. Durch andauerndes Mah⸗ nen und Drängen wurden die Abänderungsarbeiten derart gefördert, daß ſie bis Ende des Monats Mai vollendet waren und das Gebäude ſeiner neuen Beſtimmung übergeben werden konnte. Die Beſchaffung der Schulgeräte und der nötigſten Lehrmittel vollzog ſich raſch und glatt.
In der Vorlage und während der Verhandlungen am 6. März war ſtets nur von einem Lehrerinnenſeminar die Rede geweſen; im Er— nennungsdekret vom 2. April dagegen ſtand ſchwarz auf weiß:„Der Realſchuldirektor Dr. Jacobi von Alsfeld wird zum Direktor des Schullehrerinnenſeminars zu Darmſtadt ernannt“, den Schullehrer⸗ ſeminaren entſprechend. Das war noch derſelbe Name, den man dieſen An⸗ ſtalten bei ihrer Gründung vor faſt 100 Jahren gegeben hatte. Namen aber geht es wie abgetragenen Kleidern und abgegriffenen Münzen, die ihre Prägung verloren haben, und die beſonders in den Augen der Ju⸗ gend bedeutend an Wert verlieren. Darum wünſchte auch die jüngere Lehrerſchaft ſchon lange nichts ſehnlicher als die amtliche Abſchaffung des Schullehrers und ſeinen Erſatz durch den einfachen Lehrer, der nicht nur im gewöhnlichen Verkehr, ſondern auch bereits amtlich ſich einge⸗ bürgert hatte; denn ſchon 1898 drehte es ſich nicht mehr um das Schul⸗ lehrer-, ſondern um das Lehrerbeſoldungsgeſetz. Das Schullehrerſemi⸗ nar aber hatte nicht nur an Gefühlswert verloren, es war auch vom Standpunkt der Logik nicht ganz einwandfrei. Denn nicht Schullehrer, ſondern Lehrer war bei dem heutigen Beſtreben ſtarker Differenzierung wieder Oberbegriff geworden, dem ſich der Volksſchullehrer, Vorſchul⸗, Mittelſchul⸗, Fortbildungsſchullehrer, aber auch der Seminarlehrer, Reallehrer, Rechen-, Zeichen⸗, Sing⸗ und Turnlehrer u. a. unterordneten, die alle im Lehrerſeminar ihre Ausbildung erhalten hatten. Da aber der Vorſitzende der Schulabteilung am 6. März ganz kategoriſch erklärt hatte, daß die neue Anſtalt nichts Rückſtändiges an ſich tragen dürfe, ſo mußte trotz unſerer Ernennung zum Direktor des Schullehrerinnen⸗
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