Aufsatz 
Geschichte des Seminars für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt : (1902-1926) / [Verf. Oberstudiendirektor Dr. Jacobi]
Entstehung
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Bezug auf den zu wählenden Seminarort wiederholte der Zentrums⸗ abgeordnete Prof. Schlenger den Wunſch ſeines Vorredners. Aus Sparſamkeitsrückſichten empfahl er eine Seminarzeit von nur 3 Jahren, der eine private Vorbereitung vorausgehen könne. Es ſeien nun 28 Jahre ſeit Erlaß des Schulgeſetzes von 1874 ins Land gegangen, man ſolle noch 2 Jahre mit der Errichtung des Lehrerinnenſeminars warten, um mit Holtei ſprechen zu können:Schier 30 Jahre biſt du alt! Dieſes Zitat des ſonſt ſo geſchätzten Redners zog heute nicht und rief nicht, wie er wohl erwartet hatte,Heiterkeit bei den Abgeordneten hervor. Die Stunde war zu ernſt für einen, dazu hier nicht an⸗ gebrachten Witz.

Da drei der Redner für die Annahme der Vorlage geſprochen hatten, ſo brauchte Eiſenhuth nur auf die Einwendungen bzw. Gegen⸗ vorſchläge Schlengers zu erwidern. Er vermiſſe, ſo erklärte er, den inneren Zuſammenhang zwiſchen der Vorlage und dem Anfang des Holteiſchen Mantelliedes; warten könne man nicht mehr, man habe ſchon viel zu lange gewartet. Die von Schlenger vorgeſchlagene Organi⸗ ſation aber müſſe die Regierung für die neue Anſtalt unter allen Um⸗ ſtänden ablehnen, da man in Preußen, wie er ſich im letzten Winter durch eigene Anſchauung noch habe überzeugen können, damit die aller⸗ ſchlimmſten Erfahrungen gemacht habe. Eine Neugründung werde wohl kaum jemals ganz ideal eingerichtet werden können, dürfe aber auch keineswegs rückſtändig ſein, wie die vom Vorredner empfohlene.

Als letzter kam der Berichterſtatter zu Kap. 40 zu Wort, der ſich in der höchſt peinlichen Lage befand, eine ſchon verlorene Sache, der er ſelbſt untreu werden ſollte, dennoch verteidigen zu müſſen; denn aus den AÄußerungen ſeiner ſeitherigen Getreuen erkannte er beſtimmt, daß ſie fahnenflüchtig und damit untreu geworden waren. Deshalb war es nicht leicht für ihn, ſich aus dieſer höchſt unangenehmen Lage mit An⸗ ſtand herauszuziehen. Er erklärte:Daß eine Reihe von Gegnern dieſer Vorlage im Hauſe anweſend ſind, habe ich nicht bezweifelt. Wenn dieſe Herren aber der Auffaſſung lebten, mir als Berichterſtatter es aus⸗ ſchließlich überlaſſen zu müſſen, die Gründe, die gegen die Vorlage ſprechen, hier auszuführen, ſo dürften ſie ſich geirrt haben.Heiter⸗ keit. Nach den Ausführungen des Herrn Eiſenhuth halte ich mich nicht für berufen, um etwa für mich die Berechtigung in Anſpruch zu nehmen, alles von ihm Dargelegte als unrichtig hinzuſtellen und da⸗ bei zu verharren, daß die Vorlage zu Fall gebracht werden ſolle. Nach Darlegung der Gründe, die den Finanzausſchuß zu ſeinem ablehnenden Beſchluß veranlaßt hatten, ſchloß er ſeine Rede mit folgenden Worten: Ich gebe dem hohen Hauſe ruhig anheim, nach den Ihnen vor⸗ getragenen Ausführungen nach eigenem Ermeſſen zu entſcheiden, ich für meine Perſon werde mich der Majorität fügen.

Das war ehrlich, war deutſch geſprochen wie ein Mann, der ſich nach beſſerer Belehrung auch wirklich belehren und überzeugen läßt und nicht auf dem ſeitherigen Standpunkt und der vorgefaßten Meinung hals⸗ ſtarrig verharrt. Darum wurde ihm, wenn auch von einigen vielleicht ein etwas ironiſcher Beifall zuteil.

Man ſchritt zur Abſtimmuung, und die Regierungsvorlage wurde einſtimmig angenommen, wohl ein einzig daſtehendes Abſtim⸗ mungsergebnis in der Geſchichte der heſſiſchen Kammer.

Die Verkündigung des Ergebniſſes rief ſtürmiſchen Beifall im Hauſe hervor. Die Negierung hatte einen glänzenden Sieg davongetragen

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