Aufsatz 
Geschichte des Seminars für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt : (1902-1926) / [Verf. Oberstudiendirektor Dr. Jacobi]
Entstehung
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zwiſchen der Dringlichkeit der Vorlage und der ungünſtigen Finanzlage des Landes konſtruiere.

Als Seminarort hatte die Regierung Darmſtadt in Ausſicht ge⸗ nommen. Für ſeine Wahl hatte Eiſenhuth bereits im Finanzausſchuß überzeugende Gründe angeführt. Da verlangten oberheſſiſche Abgeordnete bekanntlich Berückſichtigung eines oberheſſiſchen Landſtädtchens. Das kam indirekt Darmſtadt zu gut. Denn nun meldeten ſich ſofort auch rheinheſſiſche und ſtarkenburgiſche Landſtädtchen, zuletzt Mainz.; es ent⸗ ſtand alſo ein ſtarker Wettbewerb. Für Eiſenhuth war es nun leicht zu zeigen, daß die kleinen Orte völlig ungeeignet ſeien, da bei dem ſimul⸗ tanen Charakter der Anſtalt in vielen von ihnen noch nicht einmal die religiöſen Bedürfniſſe der Schülerinnen befriedigt werden könnten, ab⸗ geſehen von der Unmöglichkeit, an dieſen Orten 120150 Schülerinnen unterzubringen, die Errichtung eines Internats aber erfordere 300 000 bis 350 000 M., was bei der heutigen Finanzlage ganz unausführbar ſei. Schließlich könne man an ſolchen Orten noch nicht einmal die Unter⸗ richtsübungen für die Bedürfniſſe der Anſtalt einwandfrei geſtalten. Mainz aber komme darum nicht in Betracht, weil hier ein Anſtalts⸗ gebäude nicht ſofort beſchafft werden könne, länger hinausſchieben aber laſſe ſich die Errichtung der neuen Anſtalt nicht. In Darmſtadt jedoch ſtehe ein Haus ſofort zur Verfügung, in unmittelbarer Nähe davon ſei eine treffliche UÜbungsſchule und eine Turnhalle, durch ſeine Mädchen⸗ mittelſchule und ſeine guten Volksſchulen ſei es zur Ergänzung des Nachwuchſes vorzüglich geeignet.

Zum Schluß erklärte er:Ich will keine pathetiſchen Worte an die Abgeordneten richten, da ſie ſich ja doch nicht überzeugen laſſen. Aber an die großen Rechner, die ich ſo oft bewundert habe, wende ich mich, trotzdem ſie manchmal auf Abwege geratenHeiterkeit und ſage Ihnen: Der Finanzausſchuß rät ihnen: Lehnen Sie die Vorlage ab wegen der ſchlechten Finanzlage. Ich aber appelliere an Ihre Rechen⸗ kunſt und ſage Ihnen: Stellen Sie die Landesintereſſen höher als die lokalen Intereſſen, nehmen Sie die Vorlage an trotz oder wegen der ſchlechten Finanzlage, denn in 34 Jahren koſtet die Durchführung der Vorlage bedeutend mehr als heute. Sie erweiſen durch ihre Zu⸗ ſtimmung dem Lande einen großen Dienſt wie auch dem Geldbeutel eines jeden von uns.

Die zwingende Beweisführung ſeiner geradezu glänzenden Rede, die den Gegnern den Grund unter den Füßen wegzog, machte einen ſo überwältigenden Eindruck auf die Abgeordneten, daß ſie faſt alle ſchon während der Rede ſtillſchweigend zur Regierung hinübergeſchwenkt waren und am Schluß der Rede ihre Zuſtimmung durch lebhaften Beifall zum Ausdruck brachten.

Die Ausſprache über die Vorlage, für die die einzelnen Parteien begreiflicherweiſe Fachleute gewählt hatten, war nur ſehr kurz.Nach den bindenden Erklärungen der Negierung über die Verwendung der Lehrerinnen, ſo erklärte der Abgeordnete Backes, zugleich Obmann des heſſiſchen Landeslehrervereins,fallen für mich alle Bedenken gegen die Vorlage. Unter Hinweis auf die hohe Bedeutung der Vorlage für die heſſiſchen Kinder empfahl dieſer warmherzige Freund der Jugend an⸗ gelegentlichſt die Annahme der Regierungsvorlage. Der Führer der oberheſſiſchen Abgeordneten ſchloß ſich ihm an. Der Sozialdemokrat Dr. David, der ja ſchon vorher ein warmer Befürworter der Vorlage geweſen war, bedauerte nur als Abgeordneter für Mainz, daß dieſe Stadt trotz ihrer Vorzüge als Seminarort nicht in Betracht komme. In

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